Ausbildung, Studium oder FSJ – die Berufsfindungsmesse in Viernheim gibt Anstöße für die Zukunft

Erstellt von Barbara Reeder 28.09.2021

Der TSV Amicitia Viernheim ist ein lizenzierter Anpfiff ins Leben-Stützpunkt im Ehrenamt. Hier orientiert man sich in der Jugendarbeit am etablierten Anpfiff-Konzept. In diesem Jahr veranstalteten die Verantwortlichen des Vereins die 1. Berufsfindungs- und Ausbildungsmesse für Schülerinnen und Schüler ihres Vereins, die kurz vor dem Schulabschluss stehen. Unterstützung gab es durch Anpfiff-Berufskoordinatorin Corinna Glogger, die mit der U19 einmalig berufliche Scouting-Gespräche durchführte.

„Es kommt immer sehr gut an, wenn man Mitglied in einem Sportverein ist. Schreibt das also auf jeden Fall in die Bewerbung mit rein“, rät Heike Böll von der Zahnarztpraxis Böll. Vor ihr sitzen rund 60 Jugendliche von der TSV Amicitia Viernheim und hören aufmerksam zu. Die meisten von ihnen sind Fußballer. Aber auch aus anderen Sportabteilungen sind Schülerinnen und Schüler anwesend. Sieben Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sind an diesem Vormittag mit dabei. Zunächst geben sie den Jugendlichen einen kurzen Einblick in Möglichkeiten zu Ausbildung, Dualen Studiengängen oder einem Freiwilligen Sozialen Jahr.

Ralf Schmitt ist der Inhaber von Kühltransporte Schmitt. Er wirbt für Nachwuchs bei den Berufskraftfahrern. Neben der Technik lernen seine Auszubildenden auch alles über Tourenplanungen und Ladungssicherheit. Außerdem sei der Arbeitsplatz zukunftssicher, erklärt Schmitt. Denn um Lebensmittel oder andere Waren in den Laden zu bringen, ginge es auch in Zukunft nicht ohne Lkw.

Messe „öffnet Türen in die Zukunft“

Raphael hat noch zwei Jahre bis zum Abi. Er kann sich eher Zahntechnik vorstellen, nachdem er darüber am Stand der Zahnarztpraxis Böll noch mehr erfahren hat. Er ist sich aber noch nicht sicher, ob er studieren oder eine Ausbildung machen will. Die Messe findet er auf jeden Fall eine prima Gelegenheit zu sehen, was es gibt und was die eigenen Interessen sind. Außerdem „öffnet es Türen in die Zukunft“, sagt er. Da ist Dirk Abel von Dektro Abel Elektrotechnik ganz bei ihm. Dass hier jemand gleich einen Ausbildungsvertrag unterschreibt, erwartet er nicht. „Ich sehe es eher als Einstieg, um es für die Jugendlichen einfacher zu machen. Manche wissen gar nicht, an wen sie sich wenden können.“ Zwei Jugendliche haben aber schon mal nach einem Praktikumsplatz gefragt.

Von der Idee zum Event

Genau um diese Kontakte geht es Uwe Beck. Er ist Jugendkoordinator und stellvertretender Abteilungsleiter der Amicitia und hat die Messe organisiert. Den Gedanken hatte Beck schon vor zwei Jahren. Weil er auch Ansprechpartner von Anpfiff ins Leben ist, hat er dort davon erzählt. „Ich habe da eine Idee und ich finde es gut, wenn Anpfiff dazu kommt“, erinnert sich Beck an das Gespräch. So war der Plan schnell geboren, dass die Berufskoordinatoren von Anpfiff einen Part bei der Messe übernehmen. Schließlich gibt es heute etwa 330 Ausbildungsberufe und sogar um die 20.000 Studiengänge – da ist es für die Schulabgänger nicht leicht, das Richtige zu finden. Und umso wichtiger ist eine gute Berufsorientierung.

Aber dann kam erstmal die Corona-Krise dazwischen. Umso mehr freut er sich, dass es jetzt endlich geklappt hat. Und so bekommen alle A-Junioren, also die 17- und 18-Jährigen, bei der Messe ein Beratungsgespräch mit der Anpfiff-Berufskoordinatorin Corinna Glogger.

Ob konkrete Pläne oder gar keine Vorstellung – ein Beratungsgespräch hilft, sich zu orientieren

Für David ist vieles schon klar. Er möchte Wirtschaftsmathematik oder Statistik studieren. Zunächst will er aber vielleicht ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. „Um mich zu finden und noch genauer zu wissen, was ich machen will“, erzählt er. Zwei Praktika hat er bereits gemacht – einmal im Kindergarten und später in der Logistik. Da stellte sich schnell raus, dass alles mit Berechnungen ihm Spaß macht. Oft nachhaken muss Corinna Glogger nicht. Schließlich hat David bereits recht konkrete Vorstellungen. Ein paar Tipps gibt sie ihm dennoch mit auf den Weg: „Fang jetzt schon an, dich zu informieren und zu schauen, in welche Richtung es gehen soll.“ Ist der Abistress erstmal da, habe man keinen Kopf dafür.

Sich rechtzeitig zu kümmern und Bewerbungen zu schreiben, rät sie auch Armin. Er ist nach der Realschule aufs Gymnasium gewechselt. Am liebsten möchte er nach der Schule eine Ausbildung zum Automobilkaufmann machen. Ihm gefällt die Gelegenheit, auf der Messe Menschen zu treffen, die die Jugendlichen unterstützen. Und auch, dass man etwas über andere Berufe erfährt - wie beispielsweise am Stand der Polizei. „Bei einem Spezialkommando zu arbeiten finde ich spannend“, sagt er.

So sieht der Arbeitsalltag bei der Polizei oder im Architekturbüro aus

Karmella und Amelie sind heute hier, weil ein paar Klassenkameraden von der Messe erzählt haben. Auch Karmella hat genau hingehört, als es um Perspektiven im Polizeidienst geht. „Ich interessiere mich für Kriminalpsychologie“, erzählt die Schülerin. „Aber ich möchte mich auch über andere Berufe informieren.“ Beispielsweise wie der Alltag eines Architekten oder Bauzeichners aussieht. Für Roland Träger vom gleichnamigen Architekturbüro macht Kreativität diese Berufe aus. Außerdem habe man viel mit Menschen zu tun und „man sieht, was man macht“. Jeweils zehn Minuten haben die Kleingruppen an den einzelnen Ständen. Viel Input in drei Stunden. Aber die vielen Fragen der Jugendlichen zeigen, dass die Idee sehr gut ankommt. Auch die Beteiligten sind sich am Schluss einig, dass auf die erste Berufsfindungsmesse unbedingt die nächste folgen soll – und sie dann auf jeden Fall wieder dabei sein wollen.