Das erste Mal auf Laufprothesen

Erstellt von Anna Laletina 09.10.2020

Anna geht ihre ersten vorsichtigen Schritte auf Laufprothesen.

Als erstes werden die Federn und Knie angepasst ...

und nun kann es endlich los gehen.

Freude bei allen Teilnehmern, des unvergesslichen Tages.

Am Sonntag, den 13. September, fand in Potsdam ein Laufevent für Menschen mit Amputation statt. In Kooperation mit dem SC Potsdam, den Prothesenherstellern Ottobock und Össur organisierten wir die Veranstaltung, die Menschen mit Amputation das Laufen näherbringen soll. Unter den 16 Teilnehmern war auch Anna Laletina, die zum ersten Mal auf Carbonfedern stand. Dies ist ihr Bericht:

"Ich habe mich im Voraus für das Laufevent angemeldet und Daten über meine Art der Amputation, Gewicht und Schuhgröße geschickt, damit Anpfiff ins Leben für mich passende Laufprothesen bestellen konnte. Allerdings war ich bis zum Tag des Events nicht sicher, ob ich laufen werde, weil es mir nicht klar war, ob man mir Laufprothesen einfach anschrauben kann. Die Sache ist: Ich habe eine beidseitige Amputation, und die Stümpfe sind sehr lang. Deshalb dachte ich, dass das Rennen für mich nur möglich ist, wenn Laufprothesen zu meinen Waden geschraubt sind - und dafür braucht man eigentlich spezielle Schäfte. 


Aber es ging! Ich bin zum ersten Mal seit mindestens drei Jahren gerannt, was an sich schon ein außergewöhnliches Gefühl war. Natürlich ist das Rennen auf Prothesen ganz anders, als wenn man auf eigenen Füßen steht. Das möchte ich gar nicht vergleichen. Ich war einfach überrascht, dass man mit einer beidseitigen Amputation, wie bei mir, rennen kann! Natürlich habe ich das bei den paralympischen Spielen gesehen, aber ich bin keine paralympische Athletin. Ich dachte, man muss zuerst viel lernen, aber ich bin sofort gejoggt - erstmal mit ein bisschen Unterstützung und dann allein - und habe eigentlich nie meine Balance verloren! 


Ich habe zwei Ottobock-Füße getestet. “1E91 Runner” sehen, das würden zumindest die Laien denken, wie alle Laufprothese aus. Es sind halbmondförmige Prothesen, die viele “running blades” nennen. Sie erlauben, einen guten Schwung beim Rennen zu haben und entsprechend große Schritte zu machen. Was sie nicht erlauben, ist NICHT zu rennen, insbesondere wenn man eine beidseitige Amputation hat. Man muss sich immer irgendwie bewegen, zum Beispiel von einem Fuß auf den anderen treten. Einfach zu stehen ging nicht - ich musste mich an etwas festhalten oder sitzen. Das fühlte sich sehr merkwürdig an. Eine weitere Sache war, dass ich mit diesen Prothesen auf meinen langen Stümpfen sehr groß geworden bin - fast 2 Meter. Normalerweise soll man solche Prothesen in Wadenhöhe befestigen. 


Die zweiten Sportprothesen, die ich getestet habe, waren die “Challenger” von Ottobock. Ich habe sie großartig gefunden, weil sie mir erlauben, nicht nur zu rennen und zu federn, sondern komfortabel zu gehen und zu stehen, was beim “Runner” nicht der Fall war! Zwar hat man mit dem “Challenger” eine kleinere Schwungphase als mit dem “Runner”, das fand ich persönlich aber komfortabler. Auch für das Körpergefühl waren sie angenehmer. 


Das war das erste Laufevent in diesem Format beim SC Potsdam. Das Ziel von Anpfiff ins Leben ist es, Menschen mit Amputationen für eine Sportart zu interessieren. Etwas auszuprobieren und sagen: „Ja, das ist mein Sport und ich kann es mir vorstellen, weiter zu machen.” Das erklärte mir Diana Schütz, Koordinatorin der Bewegungsförderung für Amputierte bei Anpfiff ins Leben, die selbst eine Amputation hat. 


Laufen sei nur eine der Sportarten, die Anpfiff ins Leben für Menschen mit Amputation bietet. Zu den anderen gehören beispielsweise Tanzen, Amputierten-Fußball, Sitzvolleyball und Fitness. “Ich weiß, dass Menschen mit Amputation ganz viel Sport machen können. Wir wollen unsere Angebote nach und nach präsentieren, damit Menschen mit Amputation die für sie optimale Sportart wählen können. Unser Ziel ist, Menschen zu integrieren. Also, das Wort Inklusion ist hier ganz wichtig”, so Schütz. 
Ottobock und Össur beteiligen sich an dieser Mission. Sie stellen Laufprothesen für die Event von Anpfiff ins Leben zur Verfügung. Für Prothesenhersteller gibt es bei solcher Veranstaltung die Möglichkeit, Menschen mit Amputation für ihre Laufprothesen zu interessieren.