Die Unvollendeten der Oberliga: A-Junioren in der Corona-Saison

Erstellt von Philipp Metzler 13.07.2020

Der Saison-Auftakt war gleich ein Anpfiff-Derby: der FCA empfing die SGK

Im direkten Vergleich mit dem SV Waldhof noch unterlegen, nach Saisonabbruch aber Tabellenführer: die U19 des FC-Astoria Walldorf

Bis zum 13. Spieltag hatten die Buwe allen Grund zu jubeln

Gleich drei Mannschaften von Anpfiff ins Leben waren in der A-Junioren Oberliga vertreten: Die U19-Teams des SV Waldhof Mannheim, des FC-Astoria Walldorf und der SG Heidelberg-Kirchheim. Die Saison versprach spannend zu werden und die Hinrunde erfüllte die Erwartungen. Das Virus jedoch änderte alles und die Saison wurde am 14. Spieltag abgebrochen. Die Sportkoordinatoren der drei Anpfiff-Partnervereine erzählen, wie sie die Saison und ihren Abbruch erlebten.

Der SV Waldhof Mannheim wusste nicht, dass sein Endspiel in der Mitte der Saison stattfinden würde. Am 7. März gewann noch Verfolger FC-Astoria Walldorf sein Spiel gegen den FV Lörrach-Brombach mit 3:0 und kletterte auf den ersten Tabellenplatz. Am Tag darauf verlor der SV Waldhof mit 1:2 in Hollenbach und konnte dieses Bild nicht mehr korrigieren. 13 Spieltage auf Platz 1, rutschten die Buwe nun am 14. Spieltag auf Platz 3. Die Pandemie und die Maßnahmen brachten den Spielbetrieb zum Erliegen, später beschloss der Verband, die Saison vorzeitig zu beenden. Der FC-Astoria Walldorf steigt jetzt in die Bundesliga auf.

“Es war ja auch sehr ordentlich,” meint Simon Landa, Jugendkoordinator Sport auf dem Waldhof. “Wenn man natürlich 13 Spieltage immer erster ist, dann ist auch die Euphorie da, der Spaß ist da. Da greift ein Rädchen ins andere. Die Entwicklung der Spieler nimmt dann automatisch immer ein bisschen mehr Fahrt auf, als wenn man Tiefschläge einstecken würde.” Der SV Waldhof Mannheim ist seit Jahren einer der Mitfavoriten der Oberliga. Zuletzt waren die Buwe in der Saison 2014/2015 in der Bundesliga. Bis Hollenbach sah für Landa alles gut aus: “Die Qualität war sehr gut, die Stimmung war sehr gut. Da waren viele Rädchen, die ineinandergepasst haben. Es war einfach eine schöne Saison, bis zum 8. März.”

FC-Astoria Walldorf: Zum zweiten Mal in der Bundesliga

“Wir hätten es natürlich gerne sportlich zu Ende gebracht,” meint Alex Keller, Jugendkoordinator am JFZ Walldorf, “aber ich glaube, wir sind jetzt auch nicht diejenige Mannschaft, die traurig sein muss, dass es so kam.” Das Team von Trainer Roberto Pinto feiert den Aufstieg in die Bundesliga. Walldorf lieferte eine starke Saison und war mit den Stuttgarter Kickers und dem Waldhof mit die spielstärkste Mannschaft. Ohne Abbruch hätte man sich auf Kopf-an-Kopf-Rennen an der Dreierspitze freuen können. “Das Trainerteam hat es wirklich geschafft, aus der Mannschaft ein absolutes Kollektiv zu machen”, meint Keller. “Wir hatten letztes Jahr zwei, drei Spieler, die einen individuellen Unterschied gemacht haben. Aber jetzt war es schon ein absolutes Kollektiv der Mannschaft.”

Beim Saisonabbruch geht es Alex Keller vor allem um die Gesundheit der Spieler: “Die Verantwortlichen haben sehr lange überlegt, eine faire Entscheidung zu treffen. Wir sind im Endeffekt diejenigen, die dadurch profitieren. Ich glaube, wir wären auch nicht traurig oder enttäuscht gewesen, wenn eine andere Mannschaft aufgestiegen wäre. Die Gesundheit und alles andere geht auf jeden Fall vor.”

SG Heidelberg-Kirchheim: Aufmischen statt Mitmischen

Die SG Heidelberg nahm nach ihrem Aufstiegsmarathon seit der Saison 2017/2018 erst einmal die Rolle des Underdogs ein. Von der Landesliga über die Verbandsliga ist das Team von Manuel Moser nun in der Oberliga gelandet. Hier fühlt sich das Ausnahmeteam in der neuen Rolle wohl, wie Philip Rohnacher, Sportkoodinator in Heidelberg, erkennt: “Ich glaube, dass wir fußballerisch teilweise unterlegen waren, aber aufgrund unseres starken Zusammenhalts auch einfach Punkte geholt haben.” Es sind vor allem die Spiele gegen die Großen, in denen Heidelberg seine Stärken ausspielen möchte. Nicht immer mit einem Sieg, aber oft mit einem guten Spiel. “Wir haben gegen die Stuttgarter Kickers, die aus der Bundesliga runtergekommen sind, 1:1 gespielt, hier daheim. Das war unglaublich, weil das ein Wahnsinnsteam war und wir da echt eine gute Leistung gebracht haben.” Eine Leistung, die mitunter Walldorf wohl den Aufstieg rettete: Stuttgart fehlten am Ende zwei Punkte für Tabellenplatz 1.

Was nach der abgebrochenen Saison bleibt

Rohnacher sieht aber auch den sportlichen Verlust durch den Abbruch: “Gerade im Aufstiegskampf wäre es zwischen Waldhof Mannheim und Walldorf sehr spannend geworden, weil alle noch gegeneinander gespielt hätten.” Auf viele heiß ersehnte Spiele musste verzichtet werden, so auch auf das Rückspiel des FC-Astoria Walldorf gegen den SV Waldhof Mannheim. In der Hinrunde bezwang der Waldhof den späteren Aufsteiger mit 4:0. Die Frage muss offen bleiben, wem die Revanche erspart wurde und wem verwehrt.

Simon Landa denkt beim Saisonabbruch auch an die Spieler: “Schade, dass die Saison vorzeitig abgebrochen worden ist. So konnten sich die Spieler auch Richtung erste Mannschaft, die U23 oder andere Vereine nicht richtig zeigen.” Rohnacher sieht es ähnlich: “Für die Jungs ist es teilweise das letzte A-Jugend-Jahr. Und das ist für die ein riesen Erlebnis, wenn man noch mal einen Aufstieg in die Bundesliga mitnimmt.” Die Freude der Jungs vom FC-Astoria Walldorf über den Aufstieg ist greifbar. Zudem gibt es weitere gute Nachrichten. Sechs Spieler der U19 wechseln in den Kader der U23. Walldorf holt die Siegesfeier unter den Corona-Bedingungen nach und feiert sogar einen Doppelaufstieg, denn die U18 rückt in die Oberliga nach.