English Speaking Club bei Anpfiff ins Leben

Erstellt von Ina Lamadé 18.12.2020

Auch in dieser schweren Zeit bleibt Anpfiff ins Leben weiterhin aktiv und unterstützt die Kinder und Jugendlichen des Förderkonzepts in den verschiedenen Bereichen tatkräftig. So wurde diese Saison im Heidelberger Jugendförderzentrum ein neues Projekt ins Leben gerufen: Zusätzlich zu schulischen Angeboten wie einer begleiteten Lernzeit, Individualförderung und Prüfungsvorbereitungskursen, die aktuell in angepasstem Umfang wieder online stattfinden, gibt es nun auch einen sogenannten „English Speaking Club“ für die Jugendspieler der SG Heidelberg-Kirchheim. Es handelt sich hierbei um eine Plattform, auf der sich die Teilnehmer freiwillig über aktuelle Themen jeglicher Art austauschen können – ob Sport, Schule, Politik, Corona oder Playstation-Turniere. Die einzige Bedingung hierbei: es wird ausschließlich Englisch gesprochen.

Dabei geht es nicht in erster Linie um grammatikalische Korrektheit, sondern darum, sich etwas zu trauen und Fehler zu machen, ohne sich genieren zu müssen. Im Vordergrund stehen Sprachkompetenz, Sprachsicherheit und Selbstbewusstsein.
Im Interview erzählt Lewis Paling, englischer SGK-Spieler und ehemaliger FSJler bei Anpfiff ins Leben von den Aktivitäten sowie seinen Erfahrungen mit dem Speaking Club. Seit Oktober leitet er die wöchentlichen Treffen, an denen zurzeit fünf Spieler der U16 teilnehmen.

Wie bist du dazu gekommen, als Leiter der Gruppe aktiv zu werden?

„Ich wurde von Philipp Schmidt gefragt, ob ich Lust hätte, dieses neue Projekt zu übernehmen, kurz nachdem ich von meinem Auslandsjahr in England zurückgekommen war. Ich bin selbst Engländer und studiere Englisch auf Lehramt an der Uni Heidelberg und war vorher schon als Lernbegleiter in Kirchheim aktiv."

Inwiefern unterscheidet sich dieser Speaking Club von normalem Englisch Unterricht in der Schule?

„Während sich der Unterricht in der Schule an den vorgegebenen Lernplan hält und mehrere Lernziele verfolgt, können wir praktisch jede Woche machen, worauf wir eben Lust haben – solange wir uns dabei auf Englisch verständigen. Wie der Name schon sagt, ist unser einziges Ziel, dass die Teilnehmer so viel Englisch sprechen wie möglich, um vor allem erst mal selbstbewusster zu werden. Vor allem beim Erlernen einer Fremdsprache fehlt es Schülerinnen und Schülern oft an Überzeugung und Selbstbewusstsein, im Schulunterricht ‚ihren Mund aufzumachen‘.  Um einen der Jungen zu zitieren: ‚I enjoy the Speaking Club, because I don’t feel under pressure.’ Im Speaking Club können die Teilnehmer so viele Fehler machen wie sie wollen und oft gehe ich auch gar nicht auf ihre Fehler ein, sodass sie sich weiter aktiv beteiligen. Wie schon angesprochen, können wir uns im Speaking Club selbst unsere Aktivitäten und Themen aussuchen. Weil wir alle Fußballer sind, werden wir uns alle immer relativ schnell einig. Wir schauen Fußballdokumentationen und sprechen über sie, vergleichen unsere selbstzusammengestellte Welt-Elf und diskutieren über Taktik. Zur Abwechslung spielen wir aber auch mal ‚Activity‘ oder ‚Among Us‘.“

Was macht dir dabei besonders viel Spaß?

„Das Beste für mich an der ganzen Sache ist, Fortschritt bei einzelnen Teilnehmern zu erkennen. Einer der Jungs war am Anfang sehr schüchtern und hat immer den Anderen das Reden überlassen. Mit der Zeit kam er jedoch immer mehr aus sich raus und hat vor kurzem für ein echtes Highlight gesorgt: Ich bat die Jungs, einem Fußballforum auf Instagram zu folgen, sodass wir über die Themen im Speaking Club diskutieren könnten. Unsere WhatsApp-Gruppe dient eigentlich nur der Organisation, doch auf einmal startete der Junge außerhalb des Speaking Clubs eine Diskussion über einen der Instagram-Beiträge in der WhatsApp-Gruppe – natürlich auf Englisch. Das war das beste Feedback, das ich hätte bekommen können.“

Denkst du es wäre sinnvoll, dieses Projekt auch an weiteren Anpfiff-Standorten einzuführen?

„Definitiv. Ich glaube, dass vor allem in jüngeren Jahren Schülerinnen und Schüler die Teilnahme an einem Speaking Club attraktiver finden könnten als direkte Nachhilfe, die dem Schulunterricht ja doch sehr ähnelt. Durch das ständige Sprechen der Sprache verbessern sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer automatisch und trauen sich mit der Zeit (hoffentlich) auch aktiver am Schulunterricht teilzunehmen.“

Wie laufen eure Treffen momentan, im Zuge der Corona-Maßnahmen, ab?

„Momentan treffen wir uns einmal in der Woche auf Zoom. Das klappt trotzdem echt gut, weil wir weitersprechen können, worauf es ja ankommt. Trotzdem würden wir alle unsere echten Meetings im Jugendförderzentrum bevorzugen, weil wir dort natürlich mit Beamer und dem Sportplatz zum Beispiel viel mehr Möglichkeiten haben.“

Der Initiator Philipp Schmidt, Koordinator Schule/Beruf/Soziales bei Anpfiff ins Leben für die Jugendspieler der SG Heidelberg-Kirchheim, ist überzeugt von dem neuen Konzept: „Es ist wichtig, dass die Jungs sich trauen, Englisch zu reden. Das wird ihnen später im Beruf von großem Nutzen sein. Da ist es nicht wichtig, ob man die Grammatik perfekt beherrscht. Sondern ob man sich traut, den Mund aufzumachen und sicher auftritt. Die Grammatik kommt dann ganz von allein.“ Schon jetzt verdeutlicht der Zuspruch von allen Seiten die positive Wirkung des Projekts, das in dieser Form auch Vorbild für die weiteren Jugendförderzentren von Anpfiff ins Leben und darüber hinaus sein könnte.