Fortbildung Trainerverhalten 2.0 - Kritische Elterngespräche

Erstellt von Simon Stark 25.11.2020

Anpfiff ins Leben beschäftigt gut 300 Fußballtrainerinnen und -trainer, die über 100 Teams betreuen. Neben der fachlichen Expertise, die je nach Altersklasse und Leistungsstand sehr unterschiedliche Schwerpunkte erfordert, ist besonders der kommunikative Ansatz für gute Arbeit entscheidend: Auf der einen Seite der direkte Kontakt von Trainer zu Spieler, auf der anderen Seite aber auch der Austausch mit den Eltern. In unserer Online-Fortbildung "Trainerverhalten 2.0 - Kritische Elterngespräche" möchten wir Verständnis der Trainer für verschiedene Kritikansätze von Eltern schaffen und sie im Umgang mit komplizierten Situationen schulen, um Transparenz und Zufriedenheit im Vereinssport gewährleisten zu können.

Am Zoom-Meeting, das von Markus Gaber und Heinz Janalik geführt wurde, nahmen etwa 100 Trainerinnen und Trainer der verschiedenen Anpfiff ins Leben-Jugendförderzentren aus der Metropolregion Rhein-Neckar teil. Dabei behandelten sie anhand eingespielter Videos die zwei Themen „Beurteilungsgespräch“ und „Einsatzzeiten“. Die Teilnehmer sollten sich mittels beispielhafter Aussagen dreier verschiedener Charaktere – drohend, emotional und sachlich – in die jeweilige Situation hineinversetzen und notieren, wie sie reagieren würden. Besprochen wurden einzelne Notizen, Ideen und Erfahrungen anschließend in der digitalen Runde, die Heinz Janalik jeweils noch einmal zusammenfasste. Er gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Impulse zu folgenden Themen:

Erwartungshaltung der Eltern: „Es kommt ganz entscheidend auf die erste Kontaktaufnahme an. Das bedeutet, das Konzept den Eltern so deutlich rüberzubringen, dass sie wissen, dass auch Scheitern wichtig ist. Einem Kind früh beizubringen, dass es nicht alles bewältigen kann und muss, ist ein ganz entscheidender pädagogischer Vorgang. Das muss aber vorbereitet werden. Es geht darum, das den Eltern in einer verständlichen und sehr verbindlichen Form zu vermitteln und auch eine entsprechende Alternative anzubieten.“

Konfliktvermeidung durch Perspektivwechsel: „Bei jedem pädagogischen Prozess kommt es immer auch darauf an, dass die Beteiligten in der Lage sind, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen. Das heißt, sich in die andere Person hineinzuversetzen und mit deren Augen, mit deren Bauchgefühl auch die entsprechenden Argumente zu finden. Wichtig sind ich-Botschaften und das Angebot, gemeinsam Lösungen zu finden.“

Erziehungsauftrag der Trainer: „Das Handlungsfeld Sport oder Fußball ist ein ausgezeichneter Bereich für das Erlernen realistischer Selbsteinschätzung. Und das in den Bewusstseinshorizont der Heranwachsenden zu bringen, ist unabhängig vom Alter einer unserer Erziehungsaufträge. ‚Du musst lernen, dich selbst richtig einzuschätzen. Wir und viele andere helfen dir dabei.‘ Diese realistische Selbsteinschätzung ist eine wichtige Zielperspektive.“

Ehrlichkeit und Transparenz: „Wir müssen als Trainer sehr ehrlich, aufrichtig und authentisch mit den uns Anvertrauten umgehen. Dazu gehört ein ehrliches Feedback, das nicht verletzt. In einer menschlichen, akzeptablen Weise das Erkannte zu kommunizieren. Wir wollen gute Trainer noch besser machen, indem wir ihnen diese Fähigkeit vermitteln. Das ist in der Trainerausbildung meines Erachtens nicht immer ausreichend gegeben. Man kann alles lernen, insbesondere im Dialog und im kommunikativen Bereich.“

In der zweiten digitalen Anpfiff-Trainerfortbildung in der Corona-Phase ermöglichten wir durch Beispiele, Diskussionen und zusammengefasste Hauptaussagen den vereinsübergreifenden Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Die Bündelung von Wissen und Kompetenzen bedeutet einen entscheidenden Vorteil für die Teams unserer Partnersportvereine in all ihren Ligen. Dies möchten wir in ähnlichen Formaten auch in den nächsten Monaten fortführen sind bereits in der Planung weiterer Trainer-Webinare.