"Ich glaube, dass die Relevanz des Sports noch immer unterschätzt wird."

Erstellt von Christoph Holzenkamp 28.05.2021

Dietmar Hopp betont die Wichtigkeit von Vereinssport für Kinder und Jugendliche

Lions Anpfiff verbindet Sport und Bildung im Verein

Die Jugendsportförderung von Anpfiff ins Leben hat sich seit 20 Jahren bewährt. Inzwischen bietet Anpfiff deswegen auch eine Beratung für andere Vereine. Für Vereine, die sich diese Unterstützung nicht leisten können, bieten die Lions Clubs eine Lösung. Mit dem Projekt Lions Anpfiff verknüpfen Lions Clubs Sportvereine mit den Beratungsexperten von Anpfiff ins Leben. Beim Kongresses der Lions vom 27. bis 30. Juni wird dieses Projekt deutschlandweit vorgestellt. Aus diesem Anlass hat uns Dietmar Hopp ein paar Fragen zur Relevanz von Jugendsport und Vereinsarbeit beantwortet.

Herr Hopp, ein Schwerpunkt Ihres sozialen Engagements ist die Nachwuchsförderung. Was bedeutet es Ihnen, so intensiv in die Jugend zu investieren?

Bei all den vielen Initiativen, Projekten und Einrichtungen, die von der Dietmar Hopp Stiftung unterstützt und gefördert werden, war mir die Verbindung zu jungen Menschen immer wichtig. Gerade angesichts der globalen Krisen, die sich in den nächsten Jahrzehnten eher noch zuspitzen werden, sehe ich es als Pflicht an, Kinder und Jugendliche bestmöglich auf diese Herausforderungen vorzubereiten. Natürlich können wir diese vielschichtigen Probleme nicht für die nachfolgenden Generationen lösen, aber wir können dafür sorgen, dass sie lernen, mit ihnen umzugehen. Dazu bedarf es einer ausgezeichneten Bildung und einem wissenschaftlichen Hintergrund. Vor allem aber brauchen wir eine Gesellschaft, die zusammenhält, die füreinander da ist und aufeinander Rücksicht nimmt. Im Sport werden diese Werte, die für ein gesellschaftliches Miteinander unabdingbar sind, spielerisch vermittelt. Deshalb fördere ich die Jugend in Verbindung mit dem Sport. Die vergangenen Jahre haben mir gezeigt, dass diese Förderung auf fruchtbaren Boden fällt, weil wir über diesen Weg auch Kinder erreichen, die nicht auf der Sonnenseite stehen und geringere Bildungschancen haben.

Ein Meilenstein der Jugendförderung ist Anpfiff ins Leben. Wie kamen Sie 2001 auf die Idee und wie bewerten Sie heute die Leistung von Anpfiff ins Leben?

Mit der Idee kam vor mehr als zwei Jahrzehnten mein 2018 verstorbener Freund Anton Nagl auf mich zu. Das Konzept war so einfach wie genial: Die Jugendfußballer in Hoffenheim sollten nicht nur sportlich gefördert, sondern auch abseits des Platzes ausgebildet werden. Das ist auch heute noch die Basis von Anpfiff ins Leben. Die Begeisterung für den Sport wird dazu genutzt, jungen Menschen auch Bildungsthemen zu vermitteln. Wir hätten aber nie damit gerechnet, welches Ausmaß und welche Professionalität Anpfiff ins Leben einmal erreichen würde. Es ist wohltuend zu sehen, wie diese Idee aufgenommen und weiterentwickelt wurde. Es konnten weitere Unterstützer gewonnen und ganz viele junge Menschen in die Förderung aufgenommen werden. Mit Anpfiff ins Leben ist es gelaufen wie mit der TSG Hoffenheim: Anfangs hätte ich mir nie erträumen lassen, wie groß und erfolgreich alles einmal sein würde.

Inzwischen arbeitet Anpfiff ins Leben mit zwölf Partnervereinen zusammen und ist schon mehrfach ausgezeichnet worden. Lässt sich diese Arbeit überhaupt noch verbessern?

In der Tat haben die Partnervereine eine beachtliche Entwicklung durch Anpfiff ins Leben genommen und setzen Standards auf höchstem Niveau. Basierend auf den wertvollen Erfahrungen nimmt Anpfiff ins Leben nun die nächste Entwicklungsstufe, auf die ich besonders stolz und ganz gespannt bin. Es wurden Strukturen geschaffen, um unsere Erfahrung und unser Know-how mit anderen zu teilen. Es gibt zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Dieter Schwarz Stiftung, mit deren Hilfe das Förderkonzept von Anpfiff ins Leben inzwischen auch in Heilbronn umgesetzt wird. Daneben geben wir in weiteren Projekten unser Jugendförderkonzept weiter. Dafür wurde eigens die Vereinsberatung gegründet. Damit haben wir ein attraktives Angebot für Vereine geschaffen, die sich weiterentwickeln und ihren Nachwuchs nachhaltig fördern wollen.
Wenn ich an die tolle Entwicklung der TSG Hoffenheim in den vergangenen 31 Jahren zurückdenke, dann verbinde ich diese Erfolge weniger mit einzelnen Spielern, sondern mit den Teams im Hintergrund. Investitionen in die Strukturen und ins Personal sind mindestens genauso wichtig wie die in Mannschaften. Deshalb rate ich Vereinen, sich an unserem Weg zu orientieren, und in die Strukturen sowie die Nachwuchsarbeit zu investieren. Das ist die Grundlage für sportlichen Erfolg und die Zukunft der Klubs. Dafür finden sie bei Anpfiff ins Leben die richtige Unterstützung.

Anpfiff ins Leben kooperiert seit Juni 2019 mit LIONS. Was wünschen Sie sich von dieser Zusammenarbeit Lions Anpfiff?

Ich glaube, dass die Relevanz des Sports noch immer unterschätzt wird. Gerade in den zurückliegenden Monaten ist vielen Menschen bewusst geworden, was fehlt, wenn Kinder und Jugendliche plötzlich nicht mehr im Verein Sport treiben können. Ich wünsche mir, dass die gesellschaftliche Rolle des Sports mehr gewürdigt wird, sowohl von der Politik als auch von der Wirtschaft. Sport ist mehr als Bewegung und der Verein ist eine ganz wesentliche Anlaufstelle für junge Menschen. Hier lernen sie Zusammenarbeit und Wettkampf, hier übernehmen sie Verantwortung für sich und andere, hier reifen sie in ihrer ganzen Persönlichkeit. Ich freue mich deshalb über jeden, der diese Arbeit unterstützt. Es sind viele Unternehmen, die die Arbeit von Anpfiff ins Leben möglich machen. So zum Beispiel die Lions, die die Anpfiff-Idee und das Know-how deutschlandweit in die Sportvereine bringen und so dazu beitragen, dass die wichtige Jugendarbeit in den Vereinen noch besser gelingt. Die Anforderung an Sportvereine ist heutzutage sehr hoch, deshalb brauchen sie Unterstützung. Ich bin überzeugt davon, dass Vereine, die eine nachhaltige Nachwuchsförderung betreiben wollen, sich an der Arbeit von Anpfiff ins Leben optimal orientieren können.

Mehr denn je ist in diesen Zeiten soziale Arbeit in den Sportvereinen gefragt. Sie führen ein bewegtes und erfolgreiches Leben. Was aus Ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz können Sie jungen Menschen mit auf deren Lebensweg geben?

Ich war von Kindesbeinen an sportbegeistert, damals war Fußball alternativlos. Wir haben mit selbst gebastelten Bällen auf der Straße gekickt. Trotz aller Schwierigkeiten, gegen die wir damals zu kämpfen hatten, sind die Erinnerungen, die ich an Erlebnisse mit meiner Mannschaft habe, durchweg positiv. Sie haben mich und mein Leben geprägt. Gemeinsam, fair ein Ziel verfolgen, als Team agieren und dafür an die Leistungsgrenzen gehen, waren und sind Erfolgsfaktoren. Aber auch im richtigen Moment selbst Initiative zu ergreifen und sich nachhaltig für Zukunfts-Themen einzusetzen, halte ich für sehr wichtig. Ich bin angenehm überrascht über die jugendlichen Persönlichkeiten, die beispielsweise die aktuelle Klimabewegung hervorbringt. Die Jugend ist stark, wir müssen ihr aber zuhören und sie dabei unterstützen, die Tür zur Welt zu öffnen.