Premiere für die Deutsche Amputierten-Fußball Bundesliga in Trier

Erstellt von Philipp Metzler 06.09.2021

Fortuna Düsseldorf (in rot) gewann das erste Spiel in der Historie der Bundesliga mit 4:1 gegen Anpfiff Hoffenheim. Foto: Ralf Kuckuck

Die Spielgemeinschaft Nord-Ost (in grau) erlebte einen schweren Auftakt, die junge Mannschaft muss sich noch finden. Foto: Ralf Kuckuck

Anpfiff Hoffenheims Christian Heintz im Duell mit der SG Nord-Ost. Foto: Ralf Kuckuck

Der Viehmarkt in der Trierer Innenstadt bot ein tolles Ambiente für das sportliche Highlight. Foto: Ralf Kuckuck

Im Rahmen der Fußball-Inklusionstage der DFB-Stiftung Sepp Herberger ist in Trier die Bundesliga des Amputierten-Fußballs gestartet. Auf dem Viehmarktplatz in der Innenstadt präsentierte sich die Sportart neben dem Blindenfußball interessierten Zuschauern. Mit dabei war auch das Team von Anpfiff Hoffenheim. Spieler Christian Heintz erklärt, was die Sportart erwartet und wie es mit der Bundesliga und der EM weitergeht.

„Meine Vorfreude hat sich absolut bestätigt. Wir haben ein Topsetting hier auf dem Viehmarktplatz,“ schwärmt Christian Heintz von Anpfiff Hoffenheim. Das Spielfeld ist umgeben von belebten Cafés, Bistros und einer Zuschauertribüne. Das Wetter spielte bei bis zu 30 Grad mit. „Ein tolles Ambiente. Die Leute, die durch die Stadt bummeln, bleiben stehen, schauen sich Blinden- und Amputierten-Fußball an und sind begeistert von den Sportarten. Das ist ja das Ziel dieser Fußball-Inklusionstage: In die Mitte der Gesellschaft die Wahrnehmung steigern. Wir sind super zufrieden mit den Rahmenbedingungen hier.“

Für die Amputierten-Fußballer gab es in Trier einen Grund zu feiern: Anpfiff ins Leben und die DFB-Stiftung Sepp Herberger haben dieses Jahr die Bundesliga des Deutschen Amputierten-Fußballs gegründet. Das erste Spiel in der neuen Liga verloren die Fußballer aus Hoffenheim am Freitag jedoch mit 4:1 gegen Fortuna Düsseldorf. „Es war ein blödes Spiel“, meint Heintz, „wir hatten viele Chancen, die wir nicht machen und kassieren dann dumme Tore. Danach kamen wir einfach nicht ins Spiel rein. Aber zum Glück haben wir bereits Sonntag die Chance auf eine Revanche.“

Das Fußballfest in Trier begeistert die Zuschauer

Vor dem Rückspiel gegen Düsseldorf ging es am Samstag für Anpfiff Hoffenheim gegen die SG Nord-Ost, die sich aus Mitgliedern des Hamburger SV, Sportfreunde Braunschweig und Tennis Borussia Berlin zusammensetzt. Die beiden traditionsreichen Clubs aus Hamburg und Berlin bieten erst seit kurzem Amputierten-Fußball an. Im Rahmen eines von der Aktion Mensch Stiftung geförderten Projekts zur Verbreitung der Spoortart hatte Christian Heintz Verbindung zu den Vereinen aufgenommen. Im Umfeld befanden sich bereits einige Fußballer, die bislang sehr weite Wege auf sich nehmen mussten. Diese können nun in Hamburg oder Berlin trainieren. Für eine eigene Mannschaft in der Bundesliga fehlen aber noch ein paar Spieler, weshalb es zu einer Spielgemeinschaft kam.

„Die Jungs der SG Nord-Ost sind keinesfalls zu unterschätzen. Sie haben junge gute Talente dabei,“ meint Heintz. In der ersten Hälfte kam Anpfiff Hoffenheim gut ins Spiel und dominierte das Geschehen. 7. Minute, Ecke für Hoffenheim: Schmidt flankt zu Heintz, der zum 1:0 verwandelt. Der SG Nord-Ost gelangen noch gute Konter, sie kam aber nicht zum Abschluss. In der 19. Minute konnte sich Heintz an der rechten Flanke durchsetzen, passte genau auf den vor dem Tor stehenden Morgenthaler, der auf 2:0 erhöht. Es ist ein Spiel, das die Zuschauer begeistert und mitfiebern lässt.

Auch in der zweiten Hälfte erspielte sich die SG gute Chancen, schafft aber keinen Anschlusstreffer. Stefan Schmidt von Anpfiff Hoffenheim setzte mit seinem 3:0 fünf Minuten vor Abpfiff den Schlusspunkt. Hoffenheims Co-Trainer Arpad Huber freut sich über den Sieg, sieht aber auch noch Potenzial: „Vom Ergebnis her war es gut. Die Dinge, die wir abgesprochen haben, haben besser geklappt als gestern. Aber alles in allem war es noch zu hektisch. Zu wenig Ruhe am Ball, wir wollten den Ball zu schnell nach vorne bringen und das macht dann alle unruhig und unsicher.“

Die Liga wird an drei Wochenenden gespielt, mit den ersten beiden Spieltagen in Trier, dem dritten und vierten in Vordorf bei Braunschweig und dem letzten Spieltag in Bonn. Das Ziel für Heintz und sein Team ist klar: „In Bonn wird die erste deutsche Meisterschale vergeben. Die wollen wir haben, das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, um in die Geschichtsbücher des deutschen Amputierten-Fußballs einzugehen. Dafür werden wir uns ins Zeug legen.“ Am zweiten Spieltag kam Anpfiff Hoffenheim gegen die SG Nord-Ost zwar nicht über ein Remis hinaus, aber der Sonntag hatte auch seine schönen Seiten: Die Partie gegen Fortuna Düsseldorf gewannen sie 3:1. Nach dem Wochenende führt Fortuna Düsseldorf mit neun Punkten die Liga an, gefolgt von Anpfiff Hoffenheim mit sieben Punkten und der SG Nord-Ost mit einem Punkt. Die ausführlichen Statistiken vom Wochenende findet man unter www.amputierten-fussball.de/bundesliga.

Europameisterschaft in Krakau

Bevor es in der Liga weitergeht, kommt mit der Europameisterschaft das nächste Highlight in Krakau. 14 Teams gehen an den Start. Die Spiele werden auf der offiziellen Seite der EM live gestreamt. Wie viele andere seiner Teamkollegen von Anpfiff Hoffenheim, spielt auch Heintz in der Nationalmannschaft. Von der Vorbereitung im Trainingslager ist er überzeugt: „Wir waren in der Sportschule in Malente, haben den Geist von Malente heraufbeschworen und auch gefunden. Und auch da sind wir gut vorbereitet, gut eingestellt.“

Deutschland gehöre aber nicht zu den Favoriten. An dieser Stelle sieht er den amtierenden Europameister Türkei, England, Russland und Polen. Im ersten Spiel geht es gleich gegen Russland. „Das wird eine harte, harte Nuss.“, sagt Heintz. „Da müssen wir uns ganz teuer verkaufen, viel reinhängen.“ Ein schwieriges Turnier für das Team und trotzdem wollen die Jungs viel erreichen, wie Huber, ebenfalls Co-Trainer der Nationalmannschaft, erklärt: „Wir haben ganz klar miteinander vereinbart: Unser Ziel ist: wir wollen ins Viertelfinale. Es ist ein sehr ambitioniertes Ziel, aber die Jungs haben das als Ziel festgelegt und da gehen wir natürlich mit.“