Trainerfortbildung: Individualisierung im Fußball

Erstellt von Philipp Metzler 01.10.2021

Wie kann man einen Mannschaftssport durch Individualisierung verbessern? Damir Dugandzic, Sportlicher Leiter des DFB-Talentförderprogramms, geht mit fundiertem Fachwissen und treffenden Praxisbeispielen der Frage auf den Grund. In der einstündigen Online-Fortbildung am Dienstagabend erklärt er, was Individualisierung im Fußball bedeutet, warum das Thema wichtig ist und wie man das Ganze umsetzen kann.

„Individualisierung ist ein Buzzword mittlerweile, ein Containerbegriff“, erklärt Referent Damir Dugandzic. Seit Februar 2018 ist er der Sportliche Leiter des DFB-Talentförderprogramms. „Irgendwie taucht er überall auf. Jeder benutzt ihn. Ich bin aber nicht so ganz sicher, ob jedem klar ist, was dies bedeutet. Es wird oft so verstanden: Individualisiertes Training ist Einzeltraining“, erklärt Dugandzic. Für ihn ist es nur ein Aspekt davon. „Individualtraining ist ein Teil von Individualisierung, nämlich eine Methode, mit der ich individualisiert arbeiten kann.“ Es geht bei der Individualisierung vor allem darum, Schwächen und Stärken bei den Spielern zu entdecken und diese dann entsprechend zu fördern.

Hannes Heist, bei Anpfiff ins Leben verantwortlich für die Projektbegleitung im Bereich Sport, hat den Abend organisiert. Das Thema findet er wichtig: „Individualisierung ist immer ein Thema, gerade auf dem Niveau, das wir bei Anpfiff ins Leben haben, wo eben dann auch schon verschiedene Trainer da sind wie Athletiktrainer, Torwarttrainer und so weiter. Und wenn man dann natürlich noch die einzelnen Feldspieler mit zwei Trainern auch individuell fördern kann, dann ist das großartig.“

Eine Minute, die viel ausmacht

Für Dugandzic fängt Individualisierung schon im Kleinen an: „Es gibt den schönen Begriff One Minute Coaching. Die mitunter wertvollste, aber fast unterschätzteste Zeit ist der Weg von der Kabine auf den Sportplatz. In dieser einen Minute kann ich wunderbar mit ein, zwei Jungs kurz ins Gespräch kommen, das nicht unbedingt mit dem Fußball zu tun hat. Und Ihr müsst bereit sein, auch von euch etwas preiszugeben, weil dann entsteht Vertrauen. Und dies ist die Grundlage, den einzelnen Menschen zu sehen und dementsprechend auch den einzelnen weiterentwickeln zu können.“

Verhältnisse verändern Verhalten

Eine Möglichkeit, individuell arbeiten zu können, ist in kleinen Gruppen zu trainieren. Wichtig hierbei ist, dass es auch möglich sein muss und die Verhältnisse stimmen: „Wenn ich in kleinen Gruppen trainieren möchte, dann muss die Möglichkeit gegeben sein, tatsächlich in kleinen Gruppen zu trainieren. Das kann über den Personalschlüssel laufen, mit mehr Trainern oder über die Entzerrung von Trainingszeiten, also dass nicht 20 Spieler zum gleichen Zeitpunkt auf dem Platz stehen, sondern kleine Units, kleine Slots.“ Hier sollten sich die Trainer zwei Fragen stellen: „Was ist eigentlich richtig? Aber viel mehr noch: Was kann ich überhaupt machen in den Gegebenheiten, die ich vor Ort vorfinde?“
Für Heist waren viele Aspekte dabei, bei denen er bei Anpfiff ins Leben noch Entwicklungsmöglichkeiten sieht. „Wir werden auf verschiedene Punkte, die Damir präsentiert hat, noch einmal genauer draufschauen, um auch unsere Potenziale ausschöpfen zu können“.