Zu Besuch bei pfenning logistics

Erstellt von Barbara Reeder 06.11.2020

„Wir sind die, die Toilettenpapier und Nudeln bringen“ – So bringt Yeliz Kavak-Küstner, Marketing-Chefin bei pfenning logistics, die Logistik-Branche auf den Punkt – und hat damit gleich mal das Eis zu den vier jugendlichen Besuchern vor ihr gebrochen: Joel, Julian, Max und Yassin sind am 28.10.2020 zu Gast am Hauptsitz des Unternehmens in Heddesheim. Hier wollen sie sich über die Möglichkeiten einer Ausbildung oder eines dualen Studiums informieren.

Alle vier spielen Fußball bei Anpfiff ins Leben-Partnervereinen und werden nächstes Jahr mit der Schule fertig. Gerade machen sie eine Berufsorientierungswoche bei Anpfiff ins Leben. Sie haben zwar schon ungefähre Vorstellungen, was sie danach machen wollen - aber angesichts der Vielfalt der Möglichkeiten ist es gar nicht so einfach, sich zu entscheiden. Gute Gelegenheit, mal vor Ort bei einer Firma zu erfahren, was ein Fachlagerist macht, welche Aufgaben auf Kaufleute für Personaldienstleistungen warten oder wie ein duales Studium für Speditionskaufleute abläuft.

Logistikbranche hat den Maschinenbau locker von Platz 3 verdrängt

Im großen Besprechungssaal gibt Gastgeberin Kavak-Küstner zunächst einen kurzen Überblick über die Logistikbranche – die mit beeindruckenden Zahlen aufwarten kann: 279 Milliarden Euro Umsatz machte sie im Jahr 2019, mehr als drei Millionen Menschen sind hier beschäftigt und den Maschinenbau hat sie als drittstärkste Branche in Deutschland abgelöst.

Das hat auch damit zu tun, dass immer mehr Aufgaben an Logistikunternehmen abgegeben werden. „Was die Firmen nicht mehr machen wollen, landet bei uns“, so die Marketing-Chefin. Wie systemrelevant Logistikunternehmen sind, habe man in der Coronakrise deutlich gesehen. Ohne den Warenverkehr, der Tag und Nacht die Supermärkte beliefert, wären die Regale leer geblieben. Aber auch der schnelle Ausbau von Intensivstationen sei ohne die Logistik im Hintergrund nicht denkbar.

Ziemlich großer Mittelständler

Die pfenning logistics GmbH zählt mit ihren 3.700 Mitarbeitern noch zu den mittelständischen Unternehmen. Und ist ein „Hidden Champion“, also ein Unternehmen, das zwar nicht so bekannt ist, aber dennoch im Bereich der Handelslogistik zu den deutschen Marktführern zählt. In der Region Rhein-Neckar ist das Unternehmen der größte Kontraktlogistikdienstleister.

Womit das Unternehmen seinen größten Umsatz macht, möchte Julian nach der Präsentation wissen. Zuletzt kam der von der Automobilbranche, aber die Umsätze verteilen sich in der Regel gleichwertig auch auf die Konzernkunden aus Handel, Chemieindustrie, Lebensmittel und Konsumgüter, erklärt Marina Lukancenko. Sie ist Personalreferentin und betreut die Auszubildenden bei pfenning. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen erzählt sie den Jugendlichen mehr darüber, wie das Logistikunternehmen arbeitet und welche Möglichkeiten es gibt.

Gute Ideen werden umgesetzt – auch von Studierenden

Es ist dem Unternehmen wichtig, dass die Vielfalt gezeigt wird – und dass Logistik auf keinen Fall langweilig ist. „Ihr könnt schon während der Ausbildung mitgestalten“, sagt die Personalreferentin. „Ihr könnt selbst Ideen entwickeln, beispielsweise bei der Frage, wie man ein Lager entwirft.“ Einige Vorschläge ihrer Schützlinge seien auch schon umgesetzt worden.

Wichtig, wenn man im Lager arbeiten will, „muss man auch Lust haben, in der Fläche zu arbeiten“ betont Anika Schillinger, die ebenfalls für den Personalbereich verantwortlich ist. Denn den ganzen Tag im Büro sitze man dabei garantiert nicht. „Ein Fachlagerist nimmt die Ware in Empfang, prüft, ob sie vollständig ist und meldet beispielsweise Beschädigungen dem Kunden“. Zwei Jahre dauert die Ausbildung. Wer ein Jahr dranhängt, kann noch den kaufmännischen Bereich dazu nehmen – und ist dann Fachkraft für Lagerlogistik.

Bei der Ausbildung wechseln sich Theorie und Praxis ab. Außerdem geht es alle vier Monate in eine neue Abteilung. So sollen die Lehrlinge möglichst viele Facetten der Branche kennenlernen. Dabei geht es nicht nur um Fachkenntnisse. Genauso wichtig sind die persönliche Weiterbildung und eine familiäre Atmosphäre. Dazu gehört auch der Austausch mit anderen Azubis – oder regelmäßige Fußballturniere.

„Hat echt Spaß gemacht“

Für Yassin, der etwas im kaufmännischen Bereich machen möchte, klingt das alles ziemlich gut. „Das hat echt Spaß gemacht. Jetzt weiß ich viel mehr über die Möglichkeiten hier. Ich werde auf jeden Fall eine Bewerbung schreiben“, sagt er. Auch für Joel hat sich der Ausflug gelohnt. „Ich fand es sehr gut, dass man einen Einblick bekommen hat. Ich mache einen Realschulabschluss und will eine Ausbildung in Richtung Industriekaufmann machen. pfenning kannte ich bisher nur dem Namen nach, aber das alles hat sich nicht schlecht angehört.“

Nach der Präsentation gibt’s noch einen Rundgang durch die riesigen Lagerhallen. Das kommt gut an. „Ich fand es super mit der Führung. Das ist schon brutal, was hier gelagert wird“, sagt Julian beeindruckt. Er plant ein duales Studium: „Was mir hier gefällt, ist, dass es so vielfältig ist. Denn es soll auf jeden Fall Spaß machen. Ich möchte keinen Job, bei dem man nur rumsitzt. Mir gefällt auch, dass es in der Nähe ist. Freunde und Familie sind mir wichtig, da wollte ich nicht unbedingt nach Hamburg ziehen.“

Kooperation mit dualer Hochschule

pfenning logistics arbeitet mit der dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) zusammen. Dort kann man BWL mit Schwerpunkt Spedition, Transport und Logistik studieren. Das duale Studium interessiert auch Max. „Ich will erst ein Freiwilliges Soziales Jahr machen und dann ein duales BWL-Studium. Ich fand es gut, dass man das mal live gesehen hat. Jetzt habe ich eine viel bessere Vorstellung.“

Viele Dinge werden beim Rundgang durch die Lager lebendig – beispielsweise angesichts der zahllosen Paletten mit  Reisekoffern, die ein Kunde eingelagert hat. „Wegen Corona“, erklärt Personalreferentin Lukancenko, „war dieses Jahr wenig Bedarf an Koffern. Daher ist das Lager voll davon.“

Partnerschaft aus Überzeugung

Seit einem Jahr ist pfenning logistics Kooperationspartner von Anpfiff ins Leben. Eine Partnerschaft, die für beide Seiten gleich passte, wie Marketingleiterin Kavak-Küstner erzählt. „Wir sind hier beheimatet und schauen immer wieder mal, wen wir unterstützen können. Es hat uns gefallen, dass Anpfiff einen sehr sozialen Aspekt hat. Außerdem gibt es eine große Bandbreite bei den Angeboten.“ Zudem sei der gemeinnützige Verein sehr aktiv und transparent – „man weiß genau, wo das Geld hinkommt“.

Für Anpfiff ins Leben ist nicht nur die finanzielle Unterstützung von Bedeutung, sondern auch, dass man bei solchen Projekten zur Berufsorientierung auf den Partner zählen kann. „Weil es für die Jugendlichen immer interessant ist, mal zu einem Partner zu gehen, haben wir das Treffen organisiert. Und pfenning war auch gleich offen dafür, etwas vor Ort zu machen“, freut sich Jonas Bauer, der die Kooperation für Anpfiff ins Leben betreut. Und natürlich ist es auch für das Unternehmen gut, potentielle Kandidaten kennenzulernen, findet die Marketing-Chefin: „Denn wir suchen ja alles – vom Lageristen bis zur IT-Fachkraft.“