Von der Jugendförderung auf die große Handball-Bühne
Ehrgeizig, resilient, fokussiert, verantwortungsbewusst – David Späth besitzt Fähigkeiten, die man mit einem 23-jährigen Profisportler nicht zwingend sofort in Verbindung bringt. Der Handballtorhüter der Rhein-Neckar Löwen hat in seiner Juniorenzeit das Förderprogramm im Kronauer Anpfiff ins Leben Jugendförderzentrum durchlaufen. Daraus entwickelte sich eine inspirierende Erfolgsgeschichte.

Januar 2026
In seinem noch jungen Sportlerleben hat David Späth ein derart tiefes Tief durchschritten, was andere Top-Sportler nie erleben müssen. „Ganz ehrlich, da war ich sehr lange mental am Boden, das war eine unfassbare schwere Zeit für mich, in der ich keine Ahnung hatte, ob es überhaupt mit Handball weitergehen kann“, sagt der Keeper der Rhein-Neckar Löwen.
Kreuzbandriss lautete die niederschmetternde Diagnose im Spätjahr 2021 und als ob das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, kamen ein Meniskusriss sowie zwei unvorhersehbare Rückschläge hinzu. „Ich habe vor dem ersten OP-Termin das Pfeiffersche Drüsenfieber bekommen und vor dem Zweiten eine Thrombose“, zählt der 202 Zentimeter lange Hüne die weiteren Nackenschläge auf.
Ein Jahr hat es gedauert, bis er sich zurückgekämpft hat und zu einem Bundesliga-Torhüter mit internationalem Format reifte. „Ich bin vielen Menschen sehr dankbar, die mich in dieser Zeit unterstützt und Mut zugesprochen haben“, sagt Späth und erwähnt in diesem Zusammenhang explizit den ehemaligen Jugendkoordinator und Jugendtrainer der Rhein-Löwen Löwen, Daniel Haase, „Daniel war für mich immer eine wichtige Bezugsperson.“

„Schule muss stets die oberste Priorität sein“
Heute nennt der Torhüter seine Anpfiff-Zeit einen „Reifeprozess“, der ihm nicht nur für seine sportliche, sondern vor allem für seine menschliche Entwicklung sehr viel gegeben hat. Er erläutert: „Deshalb kann ich jungen Talenten nur raten, sich auf die Schule zu konzentrieren, das muss stets die oberste Priorität sein.“
Späth selbst hat im schulischen Bereich dank der Anpfiff-Förderung die nötige Unterstützung erhalten, um in der Sinsheimer Max-Weber-Schule sein Berufskolleg erfolgreich abzuschließen. „David ist ein extrem offener und freundlicher Typ, der immer wollte und mir somit die Arbeit leichtgemacht hat“, sagt Andrea Rudolf. Die Anpfiff-Jugendkoordinatorin im Kronauer Förderzentrum begleitete ihn von Beginn an bei allen Anforderungen in schulischen Dingen.
Sein Fleiß, der ihn im Sport auszeichnet, hat auch in der Schule geholfen. „Wenn es auf die Prüfungen zuging, habe ich es geschafft, mich gut genug vorzubereiten“, grinst Späth verschmitzt. Er ist eben ein Wettkampf-Typ, der dann Leistung abliefert, wenn sie vom ihm verlangt wird. Dabei dankt er explizit Andrea Rudolf: „Andrea und alle anderen Personen bei Anpfiff haben immer aufgepasst und mich angespornt, mir ein zweites Standbein mit dem Schulabschluss aufzubauen“, erzählt Späth von seiner Anpfiff ins Leben Zeit, in der Spielerinnen und Spieler neben der sportlichen Förderung stets in schulischen Fragen unterstützt werden und beispielsweise bei Bedarf Nachhilfe erhalten. Außerdem helfen die Anpfiff-Jugendkoordinatoren bei der Suche nach der passenden Ausbildung.

Da Späths sportlicher Aufstieg im Bundesliga-Tor der Löwen mit der Abschlusszeit in der Schule zusammenfiel, musste er dementsprechend mehr außerhalb der normalen Schulzeiten tun, um die aufgrund des Trainings ausgefallenen Stunden nachzuholen.
„Das haben wir zusammen sehr gut hinbekommen“, berichtet Rudolf. Für den Schüler und frischen Bundesliga-Profi war doppelte Anspannung angesagt. Er gibt preis: „Nachdem ich schon einige Löwen-Einsätze auf dem Buckel hatte, war ich vielleicht sogar vor den Prüfungen aufgeregter als vor einem Bundesliga-Spiel.“
Ruhig im Gespräch – ausgelassen auf der Platte
Sein Einstieg in den Sport kommt dagegen relativ unspektakulär daher. „Mein zwei Jahre älterer Bruder Mike und ich sind zu unserem ersten Verein TSG Kaiserslautern und haben uns alle Sportarten mal angeguckt, außer Fußball“, lacht er. Die Verbindung zum Fußball und speziell zum FCK war auch so schon groß genug, die Familie Späth wohnte einen Steinwurf vom Betzenberg entfernt, wo David und Mike alle zwei Wochen Fanmassen hinaufpilgern sahen. Die Eltern leben heute noch dort, 2018 wurden Mike und David große Brüder, sie bekamen eine kleine Schwester.
Nach der TSG ging es zum FV 03 Ramstein und später zum TuS 04 Kaiserslautern-Dansenberg, wo er sich mehr und mehr als Torhüter mit riesengroßem Potenzial hervortat. 2018 folgte der bislang größte Schritt ins Kronauer Internat im Anpfiff-Jugendförderzentrum. Nach der deutschen Vizemeisterschaft mit den A-Junioren 2019, folgte 2020/21 die erste Bundesliga-Saison.
In der heimischen SAP-Arena und den anderen großen Hallen, in denen er sich fortan den unfassbar schnell auf ihn zukommenden Handbällen entgegenwarf, machte sich der gebürtige Kaiserslauterner rasch einen Namen. Und das nicht nur wegen spektakulärer Paraden, sondern obendrein wegen seiner emotionalen Art. „Das gehört zu meinem Spiel dazu“, erklärt er im Austausch, in dem er ein angenehm ruhiger Gesprächspartner ist.

Während einer Handball-Partie sieht das gänzlich anders aus. Späth feiert Paraden laut und gestenreich. Er ist einer, der eine Halle im positivsten Sinne „anzünden“ kann. Sein großer Ehrgeiz kann in diesem Zusammenhang unterstützende Wirkung haben, er kann ihn in manchen Situationen aber auch ausbremsen. „Manchmal ist es vielleicht ein bisschen zu viel mit meinem Ehrgeiz“, weiß Späth, wie schmal der Grat sein kann.
Bei so viel Druck, ein Profihandballer kann je nach Spielplan mit Verein und Nationalmannschaft auch mal auf 80 Spiele pro Jahr kommen, ist der Ausgleich neben den Arenen und der Trainingshalle von unschätzbarem Wert. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Katja Hinzmann, die bei den Ketscher Kurpfalz Bären in der 3. Liga spielt, hat er einen Hund, mit dem er gerne lange, „entspannte Spaziergänge macht und außerdem lernt man noch mehr Verantwortung zu übernehmen.“
Das Thema Verantwortung wird dem Keeper zunehmend wichtiger, wie er sagt: „Ich übernehme mittlerweile eine Rolle als Führungsspieler und das tue ich gerne, weil man an solchen Aufgaben wächst und sich stetig weiterentwickelt.“

Noch lange nicht am Leistungszenit
Der auch in seinem Umfeld häufig genannte Ehrgeiz, der ihn auszeichnet, ist die Triebfeder, die ihn zu dem Sportler gemacht hat, der er jetzt schon ist. Das Limit nach oben scheint offen. Mit 23 Jahren ist er für einen Torhüter immer noch extrem jung. „Ein Handball-Torhüter erreicht seinen Leistungszenit normalerweise erst ab 31, 32 Jahren“, weiß er nicht zuletzt dank seiner beiden Vorbilder Thierry Omeyer und Nationalmannschaftskollege Andreas Wolff. Beide sind für ihn perfekte Beispiele, um wie er sagt, „selbst einer der besten Torhüter der Welt zu werden.“
Bei der am 15. Januar beginnenden Europameisterschaft 2026 bilden Wolff/Späth das Torhüterduo, das längst seine Klasse auf internationalem Parkett nachgewiesen hat. Die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 war für Späth, „ein Riesen-Erlebnis und ein unfassbarer Erfolg. Der Moment, in dem einem die Medaille um den Hals gehängt wird, ist nicht zu beschreiben.“
Die kommenden, im Idealfall knapp drei Wochen bei der Nationalmannschaft lassen auf weitere Erfolge hoffen. „Natürlich wollen wir immer gewinnen, ich bin aber ein Freund von Zwischenzielen", bringt Späth seine Einstellung zum Sport auf den Punkt. Damit ist er bislang sehr erfolgreich gewesen und hat die Grundlage für eine lange sowie eindrückliche Karriere gelegt.
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Felix Fritz & Lars Demmerle
Anpfiff ins Leben – das bedeutet für viele Kinder und Jugendliche: Sport treiben, Gemeinschaft erleben, gefördert werden. Für Felix (22) und Lars (16) wurde daraus noch mehr: ein Weg, der sie zu Schiedsrichtern, Trainern, Lernbegleitern und echten Vorbildern machte.

