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Zwischen Pfeife und Vorbildfunktion

Anpfiff ins Leben – das bedeutet für viele Kinder und Jugendliche: Sport treiben, Gemeinschaft erleben, gefördert werden. Für Felix (22) und Lars (16) wurde daraus noch mehr: ein Weg, der sie zu Schiedsrichtern, Trainern, Lernbegleitern und echten Vorbildern machte. Auf dem Fußballplatz tragen sie keine Vereinsfarben, sondern Verantwortung. Zwei junge Männer, die an ihrer Aufgabe gewachsen sind und zeigen, dass Verantwortung keine Frage des Alters ist. Ihre Geschichte macht deutlich, wie man mit Mut, Durchhaltevermögen und Unterstützung seinen eigenen Weg gehen kann.

November 2025

Vom Bufdi zum Allrounder im Verein

Felix’ Weg beim Ludwigshafener SC und Anpfiff ins Leben begann nicht wie bei vielen anderen Kindern auf dem Spielfeld mit dem Ball am Fuß, sondern später – als junger Erwachsener im Bundesfreiwilligendienst. Statt selbst gefördert zu werden, war er plötzlich derjenige, der förderte: in der Hausaufgabenbetreuung, bei Ferienprogrammen, als Co-Trainer. „Mir machte es sehr viel Spaß, mit den Kindern zu arbeiten – auf dem Platz, aber auch bei den schulischen Aufgaben“, sagt er rückblickend. Diese Erfahrungen prägten ihn so sehr, dass er auch nach dem FSJ als Trainer und Lernbegleiter weitermacht.

Das Schiedsrichterwesen entdeckte er eher zufällig für sich. „Als ich zwölf war, hat mich mein Trainer gefragt, ob ich Schiedsrichter werden will. Ich habe Ja gesagt – weil ich nicht Nein sagen konnte.“ Heute lacht er über diesen Anfang. Doch aus einer spontanen Entscheidung wurde eine Leidenschaft: Fast zehn Jahre später ist Felix nicht nur erfahrener Schiedsrichter, sondern auch Schiedsrichterbeauftragter beim LSC.

„Felix hat sich nach seiner Zeit als Bufdi bei uns zu einer wichtigen Stütze im Verein entwickelt. Er ist ein Vereinsmensch, wie man ihn heutzutage nur noch selten findet“, erzählt Nico Laudenbach, Jugendkoordinator im Anpfiff ins Leben-Jugendförderzentrum Ludwigshafen. Er begleitete Felix durch seinen Bundesfreiwilligendienst und lernte ihn da als hilfsbereiten und engagierten jungen Mann kennen. „Er unterstützt seine Kollegen und den Verein bei jeder Aktion oder jedem Fest. Dass Felix inzwischen Teil des Vorstands ist, war anfangs nicht absehbar, aber seine Bereitschaft überall mit anzupacken, zeigt seinen außergewöhnlich guten Charakter.“

Auch wenn Studium, Training, Vereinsarbeit und Pfeife manchmal schwer unter einen Hut zu bringen sind, ist er geblieben. „Es wäre gelogen, wenn ich nie daran gedacht hätte aufzuhören. Aber insgesamt war es nicht verkehrt“, sagt er mit einem Schmunzeln. 

Für Felix ist klar: Als Schiedsrichter engagiert er sich nicht nur für den Verein und die Sportart, sondern er profitiert auch ganz persönlich: Man lernt schnelle Entscheidungen zu treffen, Haltung zu zeigen und mit Kritik umzugehen. „Das hilft mir auch im Studium oder später im Beruf “, erklärt Felix.

Herausforderungen: Kritik, Druck und Charakterbildung

Beide wissen: Schiedsrichter sein bedeutet nicht nur, Regeln durchzusetzen, sondern auch mit Kritik und Druck umzugehen. Felix erinnert sich an hitzige Spiele, Rudelbildungen und sogar eine Situation, in der er bei der Polizei eine Aussage machen musste. Lars beschreibt, wie schwierig es anfangs war, die Oberhand zu behalten, wenn Eltern lautstark von außen Einfluss nehmen oder Trainer seine Leistung infrage stellen.

„Natürlich gibt es Kommentare“, sagt Felix. „Aber irgendwann stellt man auf Durchzug. Man darf es nicht persönlich nehmen – man lernt, das Negative auszublenden.“ Auch Lars hat dazugelernt: „Wenn Trainer unzufrieden sind, dann suche ich oft das Gespräch, um ihre Sichtweise zu verstehen. Man muss zu seinen Urteilen stehen – aber wenn man einen Fehler gemacht hat, sollte man ihn auch ehrlich eingestehen.“

Gerade diese Erfahrungen machen die beiden stärker: Sie lernen, wie man mit Widerständen umgeht, Verantwortung übernimmt und auch in schwierigen Situationen standhaft bleibt. Das Schiedsrichterwesen ist für beide mehr als ein Hobby, es ist eine Schule fürs Leben – Entscheidungsfähigkeit in Drucksituationen, Selbstbewusstsein, Konfliktmanagement und Kommunikationsstärke sind Fähigkeiten, die Felix und Lars auch abseits des Platzes zugutekommen. 

Großer Besuch 

Großen Besuch gab es dann anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Ludwigshafener SC im Sommer diesen Jahres: Pascal Martin, auch bekannt als Influencer-Schiedsrichter Qualle, war an diesem Tag Gast auf der Anlage des LSC. Gemeinsam mit den Nachwuchsschiedsrichtern des Vereins leitete er im Gespann ein Jugendspiel der U13. Qualle setzt sich dabei mit seinen öffentlichen Auftritten für die Stärkung der Schiedsrichter sowie die Wiederherstellung des Respekts auf und neben dem Fußballplatz ein. 

Der Wunsch, ein Vorbild zu sein

Lars hingegen wuchs von klein auf im LSC auf und spielte hier schon als Kind Fußball. „Lars ist schon sehr lange Mitglied, fester Bestandteil des ehrenamtlichen Helferteams bei den Jugendturnieren des LSC und die Familie Demmerle ist für unseren Verein von unschätzbarem Wert“, erzählt Nico und ergänzt: „Er nahm an Ferienprogrammen von Anpfiff ins Leben teil und Lars profitierte auch schulisch von der Förderung.“ Als es einmal bergab ging, bekam er Nachhilfe. „Das hat mir geholfen, wieder auf Kurs zu kommen“, erzählt er. Heute besucht er die Oberstufe und plant sein Abitur – mit Blick auf ein Studium.

Mittlerweile spielt er nicht mehr aktiv, sondern hat als Schiedsrichter bereits in jungen Jahren eine neue Rolle im Verein gefunden. „Lars war einer der ersten Jung-Schiedsrichter und hat damit den Grundstein gelegt, dass auch aus seiner Mannschaft oder von jüngeren Spielern Interesse am Schiedsrichterwesen geweckt wurde“, erinnert sich Nico. Mit 14 machte Lars gemeinsam mit einem Freund die Ausbildung – inspiriert durch das Auftreten eines Unparteiischen, der für ihn zum Vorbild wurde. „Damals habe ich gesehen, wie viel Respekt ein Schiedsrichter haben kann. So jemand wollte ich auch sein – ein Vorbild für andere junge Menschen.“

Anfangs war es für Lars nicht leicht, sich durchzusetzen und Haltung zu zeigen. „Ich habe mich am Anfang sogar hinter meiner Mutter versteckt, wenn ich den Trainern Hallo sagen sollte“, erinnert er sich. Heute tritt er selbstbewusst auf, übernimmt Verantwortung und wächst mit jeder Begegnung. Besonders wichtig ist ihm, Verständnis für Spieler zu haben, die sonst oft im Hintergrund stehen: „Ich war früher auch nicht der beste Fußballer. Deswegen kann ich mich gut hineinfühlen, wenn jemand ein Tor schießt, der sonst viel auf der Bank sitzt. Da freue ich mich mit ihnen – weil ich weiß, wie sich das anfühlt.“

Gemeinschaft und Motivation

Was beide verbindet: Sie fühlen sich im Verein zuhause. Das Engagement beim LSC ist für sie nicht Pflicht, sondern Herzenssache. „Ich mag die Menschen hier“, sagt Felix schlicht. „Da braucht es nicht viel mehr, um mich zu motivieren.“

Auch die Unterstützung durch den Verein empfinden sie als entscheidend. Regelmäßige Fortbildungen, gemeinsame Aktionen wie Weihnachtsessen oder kleine Gesten der Anerkennung tragen dazu bei, dass junge Schiedsrichter sich wertgeschätzt fühlen. „Am wichtigsten ist, dass man merkt: Wir gehören dazu“, erklärt Lars.

Warum Schiedsrichter wichtig sind

Im Fußball geht es nicht nur um Tore, sondern auch um Fairness. Schiedsrichter sorgen dafür, dass Regeln eingehalten werden, dass Respekt gewahrt bleibt und dass Kinder wie Erwachsene lernen, mit Entscheidungen umzugehen.

Für den LSC sind Felix und Lars deshalb unverzichtbar. Sie bringen nicht nur Kompetenz auf den Platz, sondern auch Menschlichkeit. Sie sind Beispiele dafür, dass Schiedsrichter nicht Gegner, sondern Partner des Spiels sind – und dass sie junge Menschen sein können, die Verantwortung übernehmen und andere inspirieren.

 

Erfolge, die bleiben

Heute stehen Felix und Lars für eine junge, engagierte Schiedsrichter-Generation im LSC. Sie sind keine Einzelkämpfer, sondern Teil einer wachsenden Gemeinschaft von Unparteiischen, die Respekt, Fairness und Teamgeist leben.

Felix jongliert Studium, Traineramt, Lernbegleitung und Schiedsrichtertätigkeit mit viel Organisationstalent. Lars meistert die Schule und entwickelt sich weiter – und ist schon jetzt Vorbild für Jüngere.

Wenn Jugendliche zögern, ob sie sich trauen sollen, Schiedsrichter zu werden, raten beide: ausprobieren. „Am Anfang ist es ungewohnt, aber irgendwann wird es normal. Man wächst an der Aufgabe“, sagt Felix und Lars ergänzt: „Eltern oder Trainer am Spielfeldrand wirken manchmal bedrohlich, aber im Endeffekt sind sie auch nur Menschen. Davor sollte man keine Angst haben oder sich aufhalten lassen.“

Ein Blick nach vorn

Felix‘ und Lars‘ Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn junge Menschen gefördert werden und Verantwortung übernehmen. Felix und Lars sind Schiedsrichter – und der Beweis, dass man auch in jungen Jahren engagiert und vorbildlich handeln kann.

Auch künftig werden sie auf den Fußballplätzen der Region stehen – mit der Pfeife in der Hand und einem Lächeln im Gesicht. Sie zeigen, wie Anpfiff ins Leben Türen öffnet, Charaktere formt und junge Menschen ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen.

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Yasin Shabanov

Yasins Geschichte ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Sportvereine jungen Menschen Orientierung, Integration und Perspektiven bieten können. 

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