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Zwischen den Zeilen des Platzes: Wenn Erfolg mehr ist als Tore

Fußball ist bei Anpfiff ins Leben mehr als Training, Tore und Tabellen. Es geht darum, junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten – auf dem Platz, in der Schule und bei den ersten Schritten ins Berufsleben. Nuri Herrmann ist einer von ihnen. Wenn der 19-Jährige von seiner Reise nach Japan erzählt, huscht immer wieder ein Lächeln über sein Gesicht. Den Urlaub, von dem er so gern berichtet, hat er sich selbst zusammengespart. Nebenbei hält er auf dem Rasen des Ludwigshafener SC den Ball ruhig und scheinbar mühelos in der Luft. 

September 2026

Wer ihn beim Jonglieren beobachtet, erlebt einen sympathischen jungen Mann, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Er wirkt zufrieden mit dem Weg, den er eingeschlagen hat, und ruht in sich. Nuri ist kein Lautsprecher. Im Mittelpunkt sieht er sich nicht so gerne. Das war schon als Kind so. „Ich war ein bisschen ängstlich“, erzählt er über sich selbst.

Diese Selbstbeschreibung mag auf den ersten Blick überraschen. Denn er hat im Laufe der Jahre etwas gewonnen, das man ihm heute sofort anmerkt: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, ohne dabei seine Bescheidenheit verloren zu haben. Aus dem eher zurückhaltenden Jungen ist ein junger Mann geworden, der Verantwortung übernimmt – auf und neben dem Platz, für sich selbst und für andere.

Nuri übernimmt inzwischen genau dort Verantwortung, wo andere Orientierung suchen. Er spielt in der Herrenmannschaft, unterstützt als Co-Trainer die U16 und steht kurz vor dem Start seines dualen Studiums. Dass ihm das heute so selbstverständlich gelingt, war nicht immer abzusehen.

Ein Leben im Verein

Nuri, Jahrgang 2006, ist ein Kind des Vereins. Seit er viereinhalb Jahre alt ist, trägt er das rote Trikot des Ludwigshafener SC. Fast sein ganzes Leben hat er hier verbracht. In einer Zeit, in der junge Talente oft schon früh den Verein wechseln, ist das eine Besonderheit. Denn Nuri blieb – nicht, weil es keine Alternativen gegeben hätte, sondern weil er sich beim Ludwigshafener SC wohlfühlte. Weil er Spaß hatte. Und weil er dort mehr fand als Fußball. Durch die Angebote von Anpfiff ins Leben wurde der Verein zu einem Ort, an dem Nuri Schritt für Schritt wachsen konnte. Nicht nur als Spieler, sondern als Mensch.

Dass Nuri heute so selbstsicher wirkt, war nicht immer selbstverständlich. Als eher zurückhaltender Junge musste er lernen, sich Dinge zuzutrauen. Auch auf dem Fußballplatz hatte er nicht immer leichtes Spiel. „Es gab Phasen, in denen ich körperlich und fußballerisch hinterherhinkte“, erinnert sich der 19-Jährige. Während andere voraus waren, musste sich Nuri vieles mit Geduld, Disziplin und Beharrlichkeit erarbeiten. 

 

 

Mehr als Fußball

Trotzdem blieb er dem Ludwigshafener SC treu. Eine Entscheidung, die auch viel über das Umfeld erzählt, in dem er aufgewachsen ist. Denn beim Ludwigshafener SC und in der Kooperation mit Anpfiff ins Leben geht es nicht ausschließlich um Leistung und Ergebnisse. Es geht darum, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten. Besonders deutlich wurde das für Nuri, als er mit 15 Jahren – mitten in der Corona-Zeit – mit seiner Mannschaft in die Kabinen im Anpfiff-Jugendförderzentrum umzog und in den Leistungsbereich wechselte. Plötzlich standen nicht mehr nur Training und Spieltage im Mittelpunkt. Die Welt von Anpfiff ins Leben rückte näher.

Neben dem Fußball lernte er Angebote kennen, die den Alltag vieler Jugendlicher begleiten: Hausaufgabenbetreuung, Ferienprogramme und Unterstützung bei der Berufsorientierung. Dort begegnete er auch Corinna Glogger, Anpfiff-Koordinatorin für Beruf. Sie begleitet die Jugendlichen frühzeitig bei ihren Zukunftsplänen. „Wir führen jedes Jahr Gespräche mit den Jugendlichen darüber, was sie beruflich einmal machen möchten. Nuri kam damals sogar von sich aus auf mich zu“, erinnert sie sich.

Wachsen im richtigen Umfeld

„Erfolg ist, wenn man es schafft, ein Ziel nach seinen Vorstellungen zu meistern“, sagt der 19-Jährige. Dabei formuliert er für sich keine spektakulären Ziele, sondern bleibt hier bodenständig und realistisch: „Von zehn Schüssen sollen sieben rein.“ Mit dieser Haltung hat sich Nuri seinen Weg beim Ludwigshafener SC Schritt für Schritt erarbeitet. Auch wenn es in der C-Jugend Phasen gab, in denen er weniger Einsatzzeit erhielt, blieb er dran. Heute spielt er in der Herrenmannschaft in der Bezirksliga und gehört zu einer Generation von Spielern, die dem Verein trotz anderer Möglichkeiten treu geblieben ist.

Wenn Nuri an Erfolg denkt, dann sieht er nicht nur den Sport, sondern auch die Schule. Er absolvierte sein Abitur mit einer guten Note, dafür „brauchte Nuri gar nicht so viel schulische Unterstützung“, wie Corinna lächelnd erzählt. „Die Hausaufgabenbetreuung hat er dann lieber selbst in die Hand genommen und als Lernbegleiter jüngere Kinder unterrichtet“, wie sie sagt. 

Als es um die Zeit nach der Schule ging, suchte Nuri die Unterstützung von Anpfiff ins Leben jedoch ganz bewusst. Er nahm am Berufsorientierungscamp und erzählt heute, welchen Mehrwert die berufliche Förderung für seinen Weg hatte. Gemeinsam mit Corinna entwickelte er einen Plan für die Zeit nach dem Abitur. In Kürze startet er nun ein duales Studium bei EM-Technik.

Vom Spieler zum Vorbild

Fußballerisch zeichnen Nuri vor allem sein Spielverständnis, seine Ruhe am Ball und seine Reaktionsschnelligkeit aus. „Er hat einen sehr guten ersten Kontakt“, bestätigt Nico Laudenbach, Anpfiff-Jugendkoordinator Sport. Doch seine Entwicklung zeigt sich längst nicht mehr nur auf dem Spielfeld. Als Co-Trainer der U16 steht Nuri heute selbst in der Verantwortung. Dort begegnet er jungen Spielern in einem Alter, in dem er selbst noch viele Fragen hatte.

Er kennt die Unsicherheiten, die Zweifel und das Gefühl, nicht immer zu wissen, ob es für einen Einsatz reicht. Genau deshalb fällt es ihm leicht, sich in die Jugendlichen hineinzuversetzen. Gleichzeitig hat er gelernt, dass Verantwortung auch bedeutet, schwierige Entscheidungen zu treffen. „Das ist nicht immer einfach, wenn man gleichzeitig eine enge Beziehung zu den Spielern hat“, sagt er.

Mit Zielen in die Zukunft 

Wenn Nuri in die Zukunft blickt, spricht er von seinem dualen Studium, vom Fußball und von weiteren Reisen. Nach Japan stehen Marokko und Skandinavien auf seiner Wunschliste.

Nuri hat durch den Fußball im Sportverein gelernt Unterstützung anzunehmen, aber auch Verantwortung zu übernehmen. Beim Ludwigshafener SC und durch Anpfiff ins Leben fand er einen Ort, an dem er wachsen konnte – als Spieler, als Mensch und heute auch als Vorbild für andere.

 

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