Soccer Junior Team – das erste Projekt zur Talentförderung von Anpfiff ins Leben e.V.

15 Jahre, 15 Geschichten – das Soccer-Junior-Team

Soccer Junior Team – erstes Projekt zur Talentförderung von Anpfiff ins Leben e.V.

2003 startete Anton Nagl ein revolutionäres Projekt bei Anpfiff ins Leben e.V. in Walldorf: unter dem Namen „Soccer Junior Team“ sollten 20 Toptalente der TSG Hoffenheim sportlich und schulisch optimal ausgebildet werden. Mit Trainer Uwe Wolf, engagierten Mitarbeitern und Unterstützern wie Schulvertretern und Betreuern wurde eine Förderung umgesetzt, wie sie seinerzeit nur in Nachwuchsleistungszentren der Bundesliga möglich war: zusätzliche Trainingseinheiten am Vormittag, gemeinsames Mittagessen nach der Schule, schulische Betreuung am Nachmittag und Transfer zum Vereinstraining bei der TSG Hoffenheim. Bis zum Übergang zur „Eliteschule des Fußballs“ im Jahr 2009 konnte das Soccer Junior Team über 40 Jungkicker betreuen. Anschließend trennten sich die Wege. Für die einen ging es Richtung Profifußball, für andere zeigte sich das schulisch Erreichte als Schlüssel für die nächsten Lebensschritte.

Zum 15. Geburtstag hat Anpfiff ins Leben e.V. für die Reihe „15 Jahre, 15 Geschichten“ mit Personen gesprochen, die dem Verein eng verbunden sind. In diesem Beitrag sprechen drei der damals teilnehmenden Kicker – Jonas Hofmann, Joshua Baumgart und Niklas Horn – über ihre Erlebnisse und darüber, was sie aus der Zeit mitgenommen haben.

Soccer-Junior-Team 2003
Das Soccer-Junior-Team im Juli 2003 kurz vor der Pressekonferenz im Jugendförderzentrum Walldorf


Redaktion
: Welche Erinnerungen verbindet ihr mit der Zeit im Soccer Junior Team?

Niklas Horn:
Durchweg positive. Gerade als junger Mensch hat mir diese Zeit sehr großen Spaß gemacht, da ich täglich in einer Gruppe war, die genau wie ich nichts anderes als Fußball spielen im Kopf hatten. Die zusätzlichen Trainingseinheiten und Lernphasen bildeten durchaus einen Mehrwert.

Joshua Baumgart: Für mich war das damals eine Riesenveränderung: acht bis zehn Trainingseinheiten die Woche plus der Schulwechsel, bei dem ich leider den Kontakt zu einigen alten Freunden verloren, dafür aber neue gefunden habe. Der Fußball stand für mich im Mittelpunkt und das hat Riesenspaß gemacht!

Jonas Hofmann:
Ich verbinde mit der Zeit auch viele positive Gedanken. Nicht viele Jugendliche bekommen diese Möglichkeit: Training noch vor der Schule, gemeinsames Essen und Nachhilfe. Das war eine große Unterstützung, um schulische und fußballerische Qualitäten in kurzer Zeit weiterzuentwickeln. Es bringt einen enorm nach vorne.

Jonas Hofmann: Die von Anpfiff ins Leben e.V. gebotenen Leistungen haben neue Wege eröffnet und mich auch als Mensch weitergebracht.

Redaktion: Welche Erfahrungen von damals nützen dir bis heute?

Joshua Baumgart: Dass ein zweites Standbein in Sachen Karriere wirklich wichtig ist – und damit auch die Schule! Nur wenige von uns haben es geschafft, Profi-Fußballer zu werden, allen voran: Jonas Hofmann. Auf dem Weg dorthin spielen sehr viele Faktoren eine Rolle. Andere Erfahrungen, die mir bis heute nützen, sind die kleinen Dinge: sich zur Begrüßung die Hand geben. Wir haben ja auch mal einen Blick über den Tellerrand geworfen und gesehen, dass es nicht allen so gut geht, wie uns im Soccer Junior Team. Simone Born hat das damals koordiniert. Wir haben zum Beispiel in einer Schule für Behinderte mit den Kindern Fußball gespielt. Rückblickend empfinde ich es als sehr wichtig, dass wir nicht nur die ganze Zeit mit Fußball beschäftigt waren. Das hat definitiv geholfen, Sozialkompetenzen auf- und auszubauen.

Jonas Hofmann: Bei mir betrifft das die Lebenseinstellung generell. Wir haben in jungen Jahren sehr viele Erfahrungen gesammelt, die man normalerweise erst später erlebt. So weißt du schon, was in bestimmten Situationen auf dich zukommen kann.

Niklas Horn: Das Leben und Arbeiten in Gruppen fällt mir heute sehr leicht, da dies jeden Tag von uns gefordert wurde und auch anders gar nicht möglich war. Auch das gemeinsame Mittagessen wird mir immer in Erinnerung bleiben, da hier die lustigsten Sachen passiert sind. Sicherheit gibt mir bis heute das zweite Standbein neben dem Sport. Ich hatte vor ein paar Jahren eine schwere Verletzung. Aus Ärztesicht war Leistungssport nicht mehr zu realisieren. Für mich stand trotzdem schon im Krankenhaus fest: so schnell gebe ich nicht auf – ich werde zumindest ein Mal wieder auf dem Platz stehen. Das Studium hat mir während meiner Reha das gewisse Maß an Sicherheit gegeben. Ich wusste immer, dass ich noch etwas in der Hinterhand habe. Trotzdem: von heute auf morgen den Fußball aufzugeben, war keine Option.

Jonas Hofmann im Trikot von Borussia Dortmund
Jonas Hofmann - Bildmitte im Trikot von Borussia Dortmund - hat mehr als 120 Bundesligaspiele bestritten


Redaktion
: Was würdet ihr im Nachhinein betrachtet anders machen und was genauso wieder?

Niklas Horn: Ich würde diese Zeit nicht missen wollen. Es war eine spannende und lehrreiche Zeit, bei der ich heute nicht sagen könnte, was ich anders machen würde.

Joshua Baumgart: Der Umbruch in der 6. Klasse war schon groß und die Eltern hat man ja nur abends und am Wochenende gesehen, ein persönlicher Ansprechpartner, der immer da ist und nur für uns Jungs zuständig ist, wäre super gewesen. Was ich mit Blick von heute auf die Vergangenheit anders handhaben würde: man darf nie mit sich zufrieden sein, sich nicht auf seinen Leistungen und Erfolgen ausruhen. Dann wäre ich vielleicht auch weitergekommen.

Jonas Hofmann:
Ich würde alles noch mal so machen wie damals. Eines würde ich jedoch ändern. Wenn ich zurückblicke, finde ich, dass ich damals oft zu gutmütig war und es jedem Recht machen wollte. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich meine eigene Meinung stärker vertreten.

Das Soccer-Junior-Team in der Realschule Walldorf
Das Soccer-Junior-Team in der Realschule Walldorf

Niklas Horn: spielte nach seiner Zeit bei der TSG Hoffenheim unter anderen bei 1860 München, FC Bayern München, dem SV Waldhof und seit 2015 beim FC-Astoria Walldorf im defensiven Mittelfeld. Niklas Horn kommt aus Hockenheim.

Joshua Baumgart:  kickt aktuell in der Kreisliga beim FV Nußloch, zuvor beim FC Rot. Joshua Baumgart kommt aus Leimen/St. Ilgen und engagiert sich ehrenamtlich als Jugendtrainer in Walldorf.

Jonas Hofmann: ist Fußballprofi auf der Position Sturm Rechtsaußen bei Borussia Mönchengladbach und verzeichnet insgesamt über 120 Spiele in der ersten Bundesliga. Von 2005 bis 2011 spielte der gebürtige Heidelberger bei der TSG Hoffenheim. Von dort wechselte er zu seiner ersten Profistation Borussia Dortmund. Jonas Hofmann kommt aus St. Leon-Rot.


Redaktion:
Wie hat die Teilnahme am Soccer Team euren Werdegang beeinflusst?

Jonas Hofmann: Als damals das Angebot von Hoffenheim kam, im Soccer Junior Team zu spielen, war ich gerade beim FC Rot in der D-Jugend und wollte eigentlich mit dem Fußball aufhören. Ich habe gleichzeitig noch Handball und Golf gespielt. Dort war ich auch talentiert und meine Karriere wäre vielleicht in eine dieser beiden Richtungen gegangen. Weil Hoffenheim damals gerade auf dem aufsteigenden Ast in die Bundesliga war, habe ich mich dann doch für den Fußball entschieden. Mit Erfolg. Über das BK Sport in Sinsheim habe ich das Fachabitur gemacht und das damals nötige Praktikum übrigens auch bei Anpfiff ins Leben e.V. in Walldorf absolviert.

Niklas Horn im Trikot des FC-Astoria Walldorf
Niklas Horn spielt aktuell beim FC-Astoria Walldorf in der Regionalliga Süd-West


Niklas Horn:
Da ich drei Jahre lang Mitglied des Soccer Teams war, kann ich heute schon sagen, dass mich diese Zeit geprägt hat. Mein Tag hat morgens um sieben Uhr begonnen und oft kam ich erst gegen 21 Uhr wieder nach Hause. Durch die Lerneinheiten konnte sichergestellt werden, dass ich neben der hohen sportlichen Belastung auch meinem Ziel des Abiturs nachgehen konnte.

Niklas Horn: Ein gewisses Zeitmanagement war sehr wichtig – davon profitiere ich heute noch.

Joshua Baumgart: Auf jeden Fall hat es meinen Werdegang beeinflusst! Berufsorientierung und Studienwahl lief ja auch mit „Anpfiff ins Leben“. Durch die Einblicke in soziale Arbeitsbereiche bin ich auf meinen jetzigen Weg gekommen: ich habe das Studium „Soziale Arbeit“ an der SRH Hochschule Heidelberg erfolgreich abgeschlossen und steige jetzt ins Berufsleben ein. Mein Praxissemester durfte ich bei „Anpfiff ins Leben“ absolvieren. Außerdem bin ich ehrenamtlich als Jugendtrainer in Walldorf tätig. Auch wenn ich zwischendurch in anderen Vereinen Fußball gespielt habe, bin ich doch wieder hier gelandet, habe den Kontakt immer gehalten.


Redaktion:
Aus heutiger Sicht: Was soll Anpfiff ins Leben e.V. beibehalten, was kann verbessert werden?

Jonas Hofmann:
Es gibt viele Einrichtungen, die eine tolle Arbeit leisten und vor denen ich größten Respekt habe. „Anpfiff ins Leben“ ist für mich diesbezüglich ein Musterbeispiel.

Joshua Baumgart: Fest steht damals wie heute: bei Anpfiff ins Leben e.V. haben Kinder und Jugendliche Möglichkeiten, die man sonst nirgends hat! Das Jugendförderkonzept mit den Bereichen Sport, Schule, Beruf und Soziales greift sehr gut ineinander. Deswegen kein Verbesserungsvorschlag, nur ein Rat: die Welt und die Menschen verändern sich – behaltet den Blick fürs Neue!

Joshua Baumgart: Kein Verbesserungsvorschlag, nur ein Rat: die Welt und die Menschen verändern sich – behaltet den Blick fürs Neue!

Redaktion: Was gebt ihr Nachwuchstalenten mit auf den Weg?

Niklas Horn: Fußball ist und bleibt die schönste Nebensache der Welt. Man sollte als junger Mensch so viel Spaß und Freude daran haben wie nur möglich. Allerdings kann ich nur jedem raten, seine schulische Bildung nicht zu vernachlässigen! Man hat in jungen Jahren leider zu keinem Zeitpunkt die Gewissheit, später tatsächlich vom Fußball leben zu können. Schaue ich heute zurück, hat es lediglich ein recht überschaubarer Teil der Jungs geschafft, tatsächlich Geld mit dem Fußballspielen zu verdienen.

Jonas Hofmann: Gute Schulnoten sind wichtig. Die Einstellung zur Schule überträgt sich in andere Bereiche des Lebens. Wenn du dort gut bist, gehst du mit einem guten Gefühl durchs Leben. Wenn du mehr erreichen will als andere, muss du auch mehr dafür tun: länger auf dem Platz bleiben, mehr Trainingseinheiten absolvieren. Mir hat es geholfen, viele kleine Ziele zu stecken. Zum Beispiel mein Kopfballspiel zu verbessern. Kleine Ziele erreicht man eher. Das motiviert. So habe ich mich Schritt für Schritt weiterentwickelt.

Joshua Baumgart: Mein erster Tipp für den Nachwuchs: es gibt immer Verbesserungspotential! Zweitens: lasst niemals die Schule außer Acht! Das berücksichtige ich auch bei meiner Kindermannschaft im Training. Schule schwänzen geht gar nicht. Und drittens: immer lieb sein zur Familie!

Inklusions-Camp für Schulanfänger 2016 mit Joshua Baumgart
Inklusives Camp für Schulanfänger 2016 mit Joshua Baumgart


Redaktion:
Vielen Dank für das nette und offene Gespräch!


12/2017 Katharina C. Müller

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