Von Null auf Hundert in fünf Jahren
Stolpersteine sind da, um aus dem Weg geräumt zu werden. Mit dieser positiven Herangehensweise hat der SV Sandhofen e.V. in den vergangenen fünf Jahren eine Entwicklung zurückgelegt, die als Paradebeispiel für unzählige andere Vereine herangezogen werden darf. Die Teilnahme am BASF VereinsLab stellte den Erstkontakt zu Anpfiff ins Leben dar und seitdem haben der Klub und die Anpfiff-Vereinsberatung zusammen vieles auf die Beine gestellt. Über allem stand immer der Traum des eigenen Vereinsgeländes, der im Februar 2025 Wirklichkeit geworden ist. Ein weiteres Highlight folgte im September: Ihr Projekt „Mannheim in Bewegung – Kicken und Lesen“ belegte den 2. Platz der Ferry Porsche Challenge, was dem Verein eine Fördersumme von 50.000 € einbrachte. Zeit also für eine Rückblick auf die Erfolgsgeschichte des SV Sandhofen.
erstellt von Christopher Benz

September 2025
„Wir hatten das Gefühl, dass man uns noch nicht wirklich viel zutraut und uns für Grün hinter den Ohren gehalten hat“, sagt Marco Cardona. Der heute 25-jährige Präsident des SV Sandhofen hat 2020 mit seinen Mitstreitern Konstantinos Hariskos (1. Vorstandsvorsitzender), Leo Oster (2. Vorstandsvorsitzender), Felix Jendritza (Finanzvorstand bis 2022 – danach Luca Carocci) sowie dem Jugendleiter Marco Gentile und dessen Stellvertreterin Alexandra Scorsolini den Verein gegründet.
Cardona, damals selbst erst 20 Jahre alt, hat sich mit seinen ebenfalls noch sehr jungen Kolleginnen und Kollegen auf die Fahnen geschrieben, einen Verein zu schaffen, der über den sportlichen Aspekt hinaus Werte schafft und vermittelt. Mit dieser Vision rannten die Sandhofener bei Anpfiff ins Leben offene Türen ein, durften ihre Vorstellungen sowie Wünsche mit ins BASF VereinsLab bringen und dort an den Feinheiten der späteren praktischen Umsetzung arbeiten.

Für den Präsidenten lag diese Möglichkeit nahe, als B-Lizenz-Inhaber und ehemaliger Jugendspieler beim Anpfiff-Partnerverein SG Heidelberg-Kirchheim sowie Trainer beim ehemaligen Anpfiff-Partnerverein SV Waldhof Mannheim wusste er über Anpfiff ins Leben und dessen Wirkungsfelder Bescheid.
Als Spieler und Trainer gewann er weitreichende Einblicke, die folgende Kontaktaufnahme lag für den pfiffigen Cardona auf der Hand. Er berichtet: „Als Erstes habe ich mit Patrick Maurer von der Vereinsberatung gesprochen, er hat uns dann zum BASF VereinsLab geraten. Dort hatten wir mit Simone Born eine hochqualifizierte Ansprechpartnerin als Patin, mit der wir im regen Austausch standen und immer wieder Hilfestellung erhielten, wenn es angebracht war.“

Simone Born aus der Anpfiff-Vereinsführung ist für die Vereinsberatung verantwortlich. Sie sagt: „Ich war von Anfang an sehr beeindruckt, was der junge Vorstand in Sandhofen auf die Beine gestellt hat und wie emsig sie an der Umsetzung des eigenen Vereinsgeländes gearbeitet haben. Sie haben nie aufgegeben und immer nach modernen Lösungen gesucht, da habe ich selbst viel dazulernen dürfen.“
Mittlerweile lesen sich die Zahlen des SV Sandhofen bemerkenswert, wenn nicht gar herausragend: 19 Institutionen im Vereinsnetzwerk, über 70 Kooperationsstunden an Schulen und Kindertagesstätten pro Woche, 750 bewegte Kinder pro Woche, 200 Mitglieder sowie fünf Mannschaften im Spielbetrieb. Mittel- bis langfristig sieht die Planung die Besetzung aller Jugendjahrgänge mit eigenen Mannschaften vor. Zusätzlich gibt es mit Onur Birdir, Lars Mattler sowie Levin Mirbach drei vergebene FSJ-Stellen, was dauerhaft geplant ist.
Seit November 2024 hat der Klub darüber hinaus mit dem ehemaligen Fußballprofi Daniel di Gregorio einen hauptamtlichen Mitarbeiter für seine Sozialabteilung engagiert. „Daniel ist mit großem Engagement dabei und sorgt dafür, dass wir in den Schulen sehr positiv wahrgenommen werden“, so Cardona.
Trotz all dieser beeindruckenden Fakten versichert der umtriebige Präsident: „Unser Wirken braucht immer noch Zeit. Wir sehen gesellschaftlich großes Potenzial.“
Start bei Null
Angefangen hat alles bei null im Jahr 2020. Es gab kein Sportgelände für den gerade geründeten Verein und wie es eben so ist, wird man erst einmal ganz genau beäugt, wenn man in einem Ort startet, in dem es bereits einen großen Sportverein gibt.
„Ihr schafft das nicht“. Das bekamen Cardona und seine Mitstreiter häufig zu hören. „Das hat uns jedoch stets motiviert und war ein weiterer Punkt, aus dem wir unseren Antrieb gezogen haben“, sagt er, hält aber fest, „in erster Linie wollen wir aber etwas Gutes schaffen und unter dem Scheinwerferlicht der drei großen Säulen Soziales, Beruf und Sport weiterhin ein breites Angebot anbieten, um uns in diesem Zusammenhang stetig weiterzuentwickeln.“ Er stellt heraus: „Das eigene Vereinsgelände war von Beginn an unsere Vision.“

Vor all dem stand jedoch dieses „Ihr schafft das nicht“. Ein Problem, das der SV in der heutigen Sportlandschaft nicht allein hatte, betraf die Feldkapazitäten. Ein eigenes Sportgelände war zu Beginn weit entfernt, die Sandhofener mussten sich selbst um Sportplatzzeiten bei benachbarten Mannheimer Vereinen kümmern.
„Geschenkt“, so viel steht fest, haben sie nichts bekommen. Der erste „Vermieter“ war der MFC Phönix Mannheim bis ins Spätjahr 2021. Zur Rückrunde 2021/22 kam der SV mit seinen Mannschaften beim SSV Vogelstang unter. Dieses Bündnis hielt zweieinhalb Jahre, ehe Vogelstang zwecks Eigenbedarfs den Mietvertrag zum Ende der Saison 2023/24 kündigte.
Plötzlich stand der SV – mal wieder – ohne einen Platz da, auf dem er seine Fußballspiele und das Training austragen konnte. Der eigene Kunstrasen befand sich zu diesem Zeitpunkt im Bau und konnte nicht vor Februar 2025 fertiggestellt werden. Die Vereinsführung musste erneut tätig werden und um „Asyl“ bitten.
Nach etwas Hin und Her sah die Lösung folgendermaßen aus: Bis Ende September 2024 kickten die Sandhofener auf der städtischen Bezirkssportanlage in Mannheim-Käfertal und ab Oktober beim VfB Gartenstadt. „Teilweise mit zwei Mannschaften auf einem halben Platz im Training und Spielzeiten sonntags um 9 Uhr oder 17.30 Uhr“, veranschaulicht Cardona die Zugeständnisse, die es in diesem Zeitraum zu machen galt. Das sind knifflige Begleitumstände, an denen mancher Verein sicher zerbrochen wäre.
Der SV Sandhofen und seine handelnden Köpfe hielten selbige stets oben, wuchsen an diesen Aufgaben und die aktiven Kicker hielten ihrem Klub fast ausnahmslos die Treue. Der jugendliche Esprit innerhalb der Vorstandschaft produzierte pausenlos Lösungen für vorhandene Probleme und gestattete sich erst gar nicht die Zeit zum Jammern.
Die Eröffnung des Vereinsgeländes als Meilenstein
Während des langwierigen Prozesses, währenddessen es den ein oder anderen Rückschlag zu verdauen gab, unterstützte die Anpfiff-Vereinsberatung den SV nach Kräften bis zum eigenen Platz und renoviertem Kabinentrakt. Cardona erläutert: „Der ehemalige Anpfiff-Vorsitzende Dietmar Pfähler und Simone Born haben uns operativ geholfen und uns bei Terminen mit der Stadt Mannheim begleitet. Gerade in diesem ´politischen´ Bereich durften wir extrem von der Anpfiff-Expertise profitieren.“
Simone Born gibt dieses Lob gerne zurück: „Dass junge Menschen die Ärmel hochkrempeln und gemeinnützig aktiv werden, ist aller Ehren wert. Was beim SV Sandhofen entstanden ist, verdient größten Respekt.“
Im Februar 2025 war es schließlich soweit – die feierliche Eröffnung auf dem von der Stadt Mannheim zur Verfügung gestellten Gelände der „Alten Riedlache“ stand auf der Agenda. Dort liegt ein nagelneuer Kunstrasen samt moderner LED-Flutlichtanlage. Das Spielfeld ist mit 101 Meter Nettolänge gleichzeitig einer der längsten Kunstrasen in Mannheim und Umgebung.
Als Mitglied der Anpfiff Community freuen sich die Verantwortlichen des SV Sandhofen weiterhin im Austausch mit der Vereinsberatung und den anderen mittlerweile über 200 Vereinen, die bereits erfolgreich mit der Vereinsberatung zusammengearbeitet haben, zu sein. „Wir sind sehr stolz darauf, bereits als Best Practice zu gelten und unsere Erfahrungen mit anderen Vereinsvertretern zu teilen“, erwähnt Cardona.
Der aktuelle Erfolg ist rein sportlicher Natur. Mitte Juni setzte sich die Erwachsenen-Mannschaft des SV Sandhofen in der Aufstiegsrunde zur Kreisklasse A durch und darf sich nun Aufsteiger nennen. „Das ist eine großartige Sache, aber Erfolge der ersten Mannschaft sind immer das Ergebnis einer breitgefächerten Vereinsarbeit mit der Jugend als Grundstein“, erläutert der Präsident die nachhaltige Planung beim SV Sandhofen.

Und da Stillstand Rückschritt bedeutet, befindet sich die Arbeit an neuen und fortlaufenden Projekten in vollem Gange. „Momentan erledigen wir sehr viele unserer Aufgaben von zuhause, da unsere kleine Geschäftsstelle Betriebsgebäuden-Charme versprüht“, verrät Cardona und hat auch hier eine Vision, „wir wollen nicht nur eine sportliche Heimat, sondern eine zentrale Anlaufstelle für unseren Verein schaffen.“
Im Hinblick auf die Ganztagsschulreform 2026 plant der Verein den Aufbau des „Bildungscampus Sandhofen“. Dort sollen die geschaffenen Strukturen in den drei Kernbereichen Soziales, Beruf und Schule verfestigt und ein zentraler Anlaufpunkt für Fort- und Weiterbildungen geschaffen werden.
Wir sind uns sicher: Wer über die vergangenen fünf Jahre all die großen Stolpersteine aus dem Weg gewuchtet hat, der bekommt das auch erledigt.
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