„Geh heim und erzähl es Mami. Und zwar sofort!“ - SESISTA 2019

Erstellt von Marielle Braun 25.11.2019

Jürgen Mörixbauer erklärt den Kindern, wie wichtig Zuhören ist

Bei den Übungen war jeder einmal gefragt

Die Kinder beteiligten sich mit vielen Fragen

Am Montag, den 19.11.2019 fand der jährlich angesetzte Kurs „SeSiSta“ für Gewaltprävention im Jugendförderzentrum Walldorf statt. Teilnehmer waren die E-Jugend Mannschaften E2 und E3 von Astoria Walldorf. In einem 90-minütigen Kurs für die Kinder und einer anschließenden Infoveranstaltung für die Eltern erklärte Jürgen Mörixbauer, wie wichtig es ist, Angst zu haben und wie man diese nutzen kann, um sich angemessen zu verteidigen.

Mörixbauer selbst ist dreifacher Familienvater und weiß daher, wie wichtig der Schutz von Kindern ist und wie man mit den Ängsten der Kinder umgeht. Eine der ersten Fragen des Selbstverteidigungstrainers ist: „Kinder, wovor habt ihr denn Angst?“ Auf diese Frage fanden die teilnehmenden Kinder sehr simple Antworten. „Zimmer aufräumen oder die Mathehausaufgaben.“ In den Gesichtern der anwesenden Erwachsenen machte sich ein Lächeln breit. Eine kindliche Unberührtheit, die mit dem Konzept von SeSiSta sowohl bewahrt als auch weiterentwickelt werden soll.

Doch mit der Angst spricht Mörixbauer das zentrale Thema dieses Kurses an. So simpel man Angst empfinden kann oder auch nicht, betont er den Unterschied zwischen einer bösen, lähmenden Angst und einer guten, mutig werdenden Angst. Der Schlüssel für eine effektive Gewaltprävention ist neben der Aufklärung, aus der guten Angst heraus den Mut zu finden, selbstsicher in Stimme und Körpersprache aufzutreten. Denn Täter suchen sich in der Regel keine Gegner, sondern Opfer. Selbstbewusst, Sicher, Stark sind die drei magischen Worte, mit denen Kinder, Jugendliche, Frauen oder auch Firmen und Behörden aufgeklärt werden sollen. Das Konzept soll mit dem Vorurteil aufräumen, dass Angst haben etwas Schlechtes ist. Denn Angst haben ist nichts Anderes als menschlich. Es gilt, das Gefühl zu nutzen, sich aus dem Zustand, lähmender Unmündigkeit zu befreien und aktiv zu werden.

Doch wo beginnt gute Prävention? Die fängt für Mörixbauer im Kopf an. „Was ich stark machen möchte, ist nicht die physische Beschaffenheit, sondern die Psyche.“ Natürlich ist das kein Patentrezept gegen Gewalt. Es ist aber ein Anfang. Denn der dreifache Familienvater betonte immer wieder: Gewalt kennt keine Grenzen und beginnt manchmal schon im engsten Umfeld. „Kinder, wie gut kennt ihr euren Nachbar?“ „Das ist mein Onkel“, antwortete ein Kind aus der ersten Reihe. „Dann hast du Glück,“ sagte Jürgen Mörixbauer. Ein Hauch von Ironie, was die Kinder jedoch nicht bemerkten. Was für viele nicht denkbar ist: auch Familienmitglieder sind in den offiziellen Statistiken nicht ausgenommen. Ganz im Gegenteil, denn in fast 90% aller Fälle findet man den Täter im engeren Umfeld. Damit wurde allen Anwesenden erst bewusst, in welch unmittelbarer Gefahr man sich befinden kann, ohne davon zu wissen. Für die Gründer des SeSiSta-Projekts ist es deshalb so wichtig, möglichst viele Menschen zu erreichen.

Hierfür wurden den Kursteilnehmern Handlungsmöglichkeiten mit auf den Weg gegeben, welche eine Bandbreite von gezielter Deeskalation bis hin zur aktiven Gegenwehr enthält. Damit wird gewährleistet, dass man sich in verschiedenen Situationen angemessen verteidigen kann. Das Portfolio an Möglichkeiten wurde den 30 Kindern anhand lebhafter, in diesem Fall kinderfreundlicheren Beispielen vermittelt. Eines dieser lebhaften Beispiele für eine schnelle Deeskalation war die Übung, bei der die Kinder an einem kreativ gebauten Auto vorbeilaufen und die Versuche der Kontaktaufnahme ignorieren mussten. Für die erfolgreiche Ausführung folgte ein stummer Applaus. Was für die Kinder ein Spiel zu sein schien, ist in Wirklichkeit der wichtigste aller Präventionsschritte.

„Was tue ich, wenn ich sehe, dass ein anderer in ein Auto gezerrt wird?“, fragte ein Junge aus der zweiten Reihe. „Geh heim und erzähl es Mami. Und zwar sofort!“, antwortete Jürgen Mörixbauer. Er erklärte ihnen, wie wichtig es sei, es immer sofort zu erzählen, dem nächsten Ladenbesitzer auf der anderen Straßenseite, Mama und Papa bis hin zur Polizei. Je schneller Hilfe geholt wird, desto größer ist die Chance, dass der Täter gefasst wird. Bei Gewaltverbrechen sei oft die Kommunikation das größte Problem. Nicht nur, wenn Opfer aus Angst oder Scham schweigen, sondern auch wenn Beobachter schweigen, weil sie es für nicht wichtig empfinden. Um die Kommunikation in solchen Momenten einfacher zu gestalten, rät der Selbstverteidigungslehrer aus Waghäusel zu einem geheimen Passwort. Ein Wort, das einfach und schnell zu merken ist, damit man es auch in einer Stresssituation abrufbar ist. Mit Hilfe des Passworts dauert der Anruf, den das Kind in einer Notsituation tätigt, kürzer und man weiß sofort, was Sache ist. Dies soll genutzt werden, um in brenzligen Situationen Transparenz zu schaffen. „Liebe Kinder, ihr seid in solchen Situationen nicht allein. Schämt euch nicht, Hilfe zu holen.“

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Gewaltpräventionstraining ein unerlässlicher Teil einer ganzheitlich organisierten Bildung ist. Diese Auffassung teilt auch die BBBank. Der Anpfiff-Partner unterstützt Jahr für Jahr den SeSiSta-Kurs und damit die Kinder dabei, selbstsicher zu werden. Sicher sein, das möchte sich auch Julius Klevenz, E-Jugend-Trainer und Spieler der U19 Mannschaft. „Ich fühle mich einfach sicherer, wenn ich die Kids nach dem Training nach Hause schicke, weil ich weiß, dass sie sich jetzt zu helfen wissen.“


Trainer von Anpfiff ins Leben zu sein bedeutet, fußballbegeisterte Kinder und Jugendliche sportlich weiterzuentwickeln und den 360°-Förderansatz unseres Vereins vorzuleben. Es bedeutet aber auch für jeden Trainer die Chance, sich selbst weiterzuentwickeln. Nutze unsere Unterstützung, um den nächsten Schritt in deiner Trainerlaufbahn zu gehen. 

Fortbildungen
erhalten

Trainerlizenzen
erwerben

Professionelle
Strukturen

Fußballer
weiterentwickeln

Ihre
Möglichkeiten

Durch eine enge Zusammenarbeit mit uns ergeben sich vielfältige und innovative Möglichkeiten, die Wirkung und Reichweite Ihres unternehmerischen Engagements zu multiplizieren. Gemeinsam finden wir für jeden Partner das richtige Förderprojekt.

Spenden oder Sponsoring

Bei Anpfiff gibt es viele Möglichkeiten, als Trainer zu reifen. Egal, an welcher Stelle in deiner Trainerkarriere du dich befindest, wir bringen dich weiter!

Dein Verein
braucht dich!

JETZT TRAINER WERDEN