Trainerfortbildung zur kommunikativen Kompetenz (Teil 2) (#8)

Erstellt von Martin Dudenhöffer 17.05.2019

Mit Engagement dabei: Heinz Janalik teilt seinen reichen Erfahrungsschatz als Sportpädagoge.

Anpfiff-Förderung wirkt nachhaltig.

Coachingverhalten: Wie würden die Kirchheimer Trainer in belastenden Situationen handeln?

Spieler werden handgreiflich gegeneinander - nun muss der Trainer schnell reagieren.

Fairplay zu jeder Zeit. Anpfiff schult seine Trainer und Spieler zu sportlichem Verhalten.

Um den gestiegenen Anforderungen eines Trainers gerecht zu werden, hat Anpfiff ins Leben eine Vielzahl von Fortbildungsangeboten geschaffen. Neben spieltaktischen Fähigkeiten werden auch soziale Kompetenzen gezielt gefördert. Mit dem erfahrenen Sportpädagogen Heinz Janalik übernimmt ein echter Fachmann die Schulung der kommunikativen Kompetenzen der Jugendtrainer, denn immer wieder werden die Trainer in Konfliktsituationen auf die Probe gestellt. Im Jugendförderzentrum Heidelberg diskutierte Janalik solch belastende Situationen mit den Jugendtrainern der SG Kirchheim-Heidelberg.

„Früher galt das Wort eines Trainers, Widerrede war zwecklos“, erinnert sich Heinz Janalik an seine Zeit als Jugendlicher. Damals habe nicht nur in der Schule ein autoritärer, schroffer, oft verletzender Ton geherrscht, auch im Jugendsport ging es oft ruppig zu. „Ausgleichend miteinander kommunizieren, wie das heute der Regelfall ist, war damals nicht so üblich“, ergänzt Janalik, der jahrelang als Akademischer Direktor an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg lehrte und im Badischen Sportbund als Präsident fungierte. Dass er sein heutiges Anliegen, das eigene Handeln stets zu hinterfragen, selbst ernst nimmt, beweist er, indem mit Schmunzeln von der Zeit als Dozent erzählt: „Auch ich habe Studenten früher abgebügelt“. Heute soll ein solcher Umgang zwischen Dozenten und Studenten, Lehrern und Schülern und Trainern und Spielern nicht mehr an der Tagesordnung stehen.

Das ist einer der Gründe, warum Janalik für Anpfiff ins Leben zentrumsübergreifend über kommunikative Kompetenzen spricht und die Trainer darauf aufmerksam macht, wie wichtig angemessenes Handeln gerade in Konfliktsituationen ist. Trainer seien Autoritätspersonen, die gerade im Jugendbereich eine große Verantwortung hätten. Außerdem könnten sie Kinder und Heranwachsende noch entscheidend mitformen, sodass sie neben Eltern und Lehrern absolute Schlüsselpersonen im Erziehungsbereich darstellten. „Besonders wirkungsvoll ist es, wenn Trainer ihre Schützlinge emotional abholen und sie inspirieren können“, sinniert der Sportpädagoge über das optimale Trainer-Spieler-Verhältnis. Um das Thema hier anschaulich darzustellen, brachten er und Markus Gaber, Gesamtkoordinator Sport in der Hauptgeschäftsstelle Walldorf, einige Lehrvideos mit ins Heidelberger Jugendförderzentrum. Dort saßen elf Jugendtrainer, gebannt mehr über dieses sensible Thema zu lernen.

Ist mein Handeln angemessen?

Die Aufgabenstellung war klar: Videos anschauen und intuitiv sein eigenes Handeln in dieser Situation notieren. Dazu gehörte auch, das Wahrgenommene in Worte zu fassen und die Emotionen aufzuschreiben, die das kritikwürdige Verhalten der Spieler bei dem jeweiligen Trainer ausgelöst hat. Im Vorfeld hatten sich die U13 und die U17 des Anpfiff-Partnervereins FC-Astoria Walldorf filmisch ausprobiert und gängige Situationen im Training oder während eines Spiels lebensnah nachgespielt. Die Situationen waren bewusst recht vielseitig ausgestaltet, dennoch hatten sie eines gemeinsam: Der Trainer musste schnell eingreifen, um größeren Schaden zu verhindern. „Diese Situationen empfinden wir in der Regel als belastend, auch wenn wir intuitiv sicher eine Antwort darauf finden werden“, merkte Janalik an. An dieser Stelle sei dann aber interessant zu sehen, wer wie warum reagiert und ob wir in der gemeinsamen Reflexionsrunde unser Trainerverhalten überdenken und korrigieren müssen. Es gehe bei dieser Übung darum, Routinen zu hinterfragen, sie auf das Prinzip der Angemessenheit hin zu prüfen und verschiedene Handlungsoptionen in Betracht zu ziehen.

In einem Video präsentierte der Trainer in der Kabine die Aufstellung für das anstehende Spiel und teilt einem Spieler mit, dass er heute nicht dabei sein wird. Der Spieler macht eine abfällige Bewegung und verlässt wutentbrannt die Kabine. Wie sollte ein Trainer in einer solche Lage reagieren? Aufhalten? Gehen lassen? Kritisieren? Verständnis zeigen? Für die Kirchheimer Trainer eine gar nicht so einfache Frage, auch wenn die Tendenz eindeutig ist: Für einen Spieler gehört sich das nicht! Im Plenum stellte sich die Frage, warum wurde der Spieler nicht vorher in die Entscheidung einbezogen und informiert, damit eine solche Situation erst gar nicht entstehen muss. Sollte eine solche Szene dennoch passieren, würden die meisten den Spieler nach der Aktion zur Seite nehmen und ihn auf sein Fehlverhalten hinweisen. Genauso kontrovers konnte man folgende Szene bewerten: Zwei Spieler prügeln sich in der Kabine, der Trainer kommt dazu und ist dann gefordert. Ein Trainer könnte nun beide Spieler in einem Sechs-Augen-Gespräch zusammenbringen, er könnte allerdings auch die Streithähne trennen, mit Zeugen sprechen und dann seine Handlung auswählen. Oder er kümmert sich zuerst nur um den vermeintlichen Täter oder das vermeintliche Opfer. Es gäbe also viele Varianten. Ähnlich ist ein dokumentiertes Foulspiel auf dem Platz einzuschätzen. Was machen, wenn ein Spieler den Mitspieler durch sein Einsteigen hart angeht oder gar verletzt?

Nach jedem Video begann, wie gewünscht, eine äußerst angeregte Diskussion, mit ganz vielfältigen Sichtweisen auf die in den Videos dargestellten Situationen. Ohnehin zeigte sich der Referent ausgesprochen zufrieden mit der Beteiligung der Kursteilnehmer. Auch das Feedback der SGK-Trainer fiel hervorragend aus. Marco Oberdorf, U15-Trainer, hielt diese Fortbildungsreihe für „aufschlussreich und bereichernd“. Michael Zahn, Bambini-Coach bei der SGK, gefiel insbesondere der offene Austausch unter den Trainern: „Das ist etwas, das noch ein wenig zu kurz kommt im Trainingsalltag.“ Für Heinz Janalik war dies eine Steilvorlage, er spricht sich schon länger für Trainertandems aus, die sich gegenseitig beraten, ergänzen und dadurch konstruktiv unterstützen. Zusammen mit anderen Anpfiff-Fortbildungen, wie jener zum Thema Vielfalt, würde den Trainern recht umfassend geholfen. Mit seinem Abschlussstatement verdeutlichte Janalik nochmals den eigentlichen Mehrwert einer solchen Veranstaltung: „Wir wollen uns nicht als Allwissende geben, sondern Impulsgeber und Dialogpartner sein“. Mit diesem Wissen im Hinterkopf können die Anpfiff-Jugendtrainer von nun an besonders nachhaltige Akzente setzen.

Dieser Beitrag ist Teil 2 einer zweiteiligen Reihe zu Trainerfortbildungen und Teil des Schwerpunktthemas Nachhaltigkeit (#8). Hier geht's zu Teil 1.

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