„Es gab immer wieder hilfreiche Workshops zu verschiedensten Themen, von denen ich immer Positives mitnehmen konnte“.

Florian Flick - „Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt, für den ich nie aufhören werde, zu arbeiten“

Vom Kindheitstraum zur Alltagsrealität: Die Erfolgsgeschichte von Florian Flick

Fußball war schon immer das, worum es sich im Leben von Florian Flick drehte. Bereits im frühen Kindesalter wollte er jederzeit und überall Fußball spielen – Dabei schaffte er es, sich seinen Kindheitstraum zu erfüllen und spielt heute erfolgreich beim 1. FC Nürnberg in der zweiten Bundesliga. Anpfiff ins Leben gehörte dabei vor allem zu seinem persönlichen Werdegang.

Florians Reise zum großen Traum einmal Fußballprofi zu werden, fand seinen frühen Anfang auf dem Sportplatz des SV Gammelsbach. „Zunächst war ich etwas schüchtern, was das Training mit anderen Kindern anging“, erzählt der heute 23-Jährige. Doch zu seinem dritten Geburtstag bekam er schließlich sein erstes richtiges Paar Stollenschuhe geschenkt. „Damit wollte ich dann natürlich direkt durchstarten“ – Gesagt, getan: So sollte nach diversen Stationen im Odenwald alles seinen Lauf nehmen.

Frustration vermeiden

Im Jahr 2013 nahm der damals 13-Jährige erstmals an einem Probetraining beim SV Waldhof Mannheim unter der Leitung von Daniel Hecht, der auch im weiteren Verlauf ein langjähriger Wegbegleiter des jungen Flos werden sollte, teil. „Zu diesem Zeitpunkt empfand ich ihn sportlich als ganz gut, perspektivisch gesehen, reichte es damals allerdings noch nicht, Stammkraft zu werden“, erklärt Hecht. In dem Alter sei es besonders wichtig gewesen, Frustration, verursacht durch wenig Spielzeit, gepaart mit hohem Aufwand durch lange Anfahrtszeiten, zu vermeiden, um den Sportsgeist am Leben zu halten, so die Devise. „Ich habe nach der Absage von Daniel fleißig weiter trainiert, versucht an meinen Schwächen zu arbeiten und durfte so ein Jahr später nochmal mittrainieren“, erzählt Flick heute stolz im Interview.

Mit drei Jahren bekam Florian die ersten Fussballschuhe


Beim zweiten Anlauf klappte es schließlich: Christian Schmitt, der damalige Trainer der U15, entschied sich dafür, Florian einen Wechsel in die Regionalliga, der höchstmöglichen Liga der Altersklasse, anzubieten.

Damit ging für den jungen Florian ein großer Traum in Erfüllung: In einem leistungsorientierten Umfeld Fußball spielen. So gehörte auf dem Gelände des SV Waldhof Mannheim damals auch Anpfiff ins Leben zu seinem neuen sportlichen Umfeld. Die gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in Walldorf hat es sich zur Herzensangelegenheit gemacht, junge Sportler auch neben dem Fußballplatz zu unterstützen. Mit ihrer 360°-Förderung schaffen sie es, die Bereiche Sport, Schule, Beruf und Soziales abzudecken.

„Das Fußballgeschäft ist hart“, weiß Flick heute. Daher ist es umso wichtiger, Jugendlichen auch andere Perspektiven jenseits des Sports aufzuzeigen und sie gezielt auf den Berufseinstieg vorzubereiten sowie sie persönlich zu stärken.

Bei Anpfiff gelernt, immer einen kühlen Kopf zu bewahren

An das vielfältige Weiterbildungsrepertoire von Anpfiff erinnert sich Florian immer noch: „Es gab immer wieder hilfreiche Workshops zu verschiedensten Themen, von denen ich immer Positives mitnehmen konnte“.

Beispielsweise der „Umgang mit Selbstgesprächen“- Workshop prägt Flick weiterhin nachhaltig: „Es ging darum, Leistungsdruck gezielt zu kompensieren, konzentriert aufzutreten und aus Fehlern zu lernen, statt sich von ihnen ausbremsen zu lassen“.

Florian ist davon überzeugt, dass diese Art von Workshops ihn vor allem in seiner persönlichen Entwicklung enorm unterstützt haben: „Ich habe bei Anpfiff gelernt, immer einen kühlen Kopf auf dem Rasen sowie in Alltagssituationen zu bewahren“.

Später schloss Flick während seiner Zeit beim SV Waldhof Mannheim die Gesamtschule ab und wechselte auf ein berufliches Gymnasium, wo er 2019 schließlich sein Abitur mit dem Schwerpunkt in Wirtschaft absolvierte.  Wie es sich in den berufsvorbereitenden Gesprächen von Anpfiff ins Leben abzeichnete, zeigte Florian Interesse an einem kaufmännischen Beruf, eventuell wäre auch ein (duales) Wirtschaftsstudium in Frage gekommen, um einen sicheren Plan B parat zu haben, falls es mit dem Fußball nicht funktionieren sollte. So beschreibt Daniel Hecht, der Florian als Techniktrainer immer wieder unterstützte, ihn als „bodenständigen“ und „demütigen“ Jungen, der sich nicht einfach „treiben“ ließ, sondern einen gewissen „Weitblick für seine berufliche Zukunft“ und Vergänglichkeit des Sports hatte.

Erfreulicherweise gab es 2019 neben dem Abitur noch einen weiteren wichtigen Schritt: „Ich unterschrieb meinen ersten Profivertrag für den Verein, bei dem ich 5 Jahre lang sportlich und persönlich ausgebildet wurde. Das war für mich etwas ganz Besonderes“, strahlt Flick heute noch, „In dieser Zeit erhielt ich von meinen Eltern die nötige Unterstützung, um mich für zwei Jahre auf den Fußball konzentrieren zu können. Sollte es nicht funktionieren, war klar, dass ich ein Studium beginnen würde“, erzählt er weiterhin. 

Als er dann allerdings gerade mal ein Jahr später ein Angebot für die U23 des FC Schalke 04 erhielt, hieß es für den damals gerade mal 20-Jährigen: Aufbruch zu neuen Ufern und raus aus dem Elternhaus! „Die Zeit in Mannheim werde ich nie vergessen. Trotz des hohen zeitlichen Aufwands, den ich vor allem durch die Anfahrt von meinem Heimatort hatte, hat es sich nie wie eine Zusatzbelastung angefühlt, sondern immer wie ein passender Ausgleich“, so Flick.

Sprung in 1. Mannschaft löst Euphorie aus

Im Ruhrgebiet angekommen, folgte eine aufregende Zeit: Eine neue Mannschaft, ein neuer Trainer und ein neues Umfeld. „Ich konnte mich dennoch schnell in meinen neuen Alltag einfinden. Bei Anpfiff ins Leben wurde ich gründlich auf professionelle Strukturen vorbereitet und wusste, wie ich mit neuen Situationen umgehen kann“, berichtet Florian.

Der Sprung von der U23 in die erste Mannschaft des damals erstklassigen Schalkes löst immer noch Euphorie in ihm aus. Auch der Wiederaufstieg ein Jahr später mit dem FC sorgt für reichlich Gänsehaut: „Ich habe gemerkt, dass sich nun alles auszahlt und das jahrelange Training sich gelohnt hat“, berichtet Florian Flick stolz über sein bisheriges sportliches Karrierehighlight.
Daniel Hecht reflektiert seine damalige Entscheidung, Flick nicht früher geholt zu haben, weiterhin zufrieden: „Ich wurde im Nachhinein bezüglich meiner Entscheidung, ihn nicht früher geholt zu haben, oft nach dem ´Warum` gefragt. Dabei war es eventuell genau das eine Jahr, das er brauchte, um sich sportlich, persönlich und körperlich so weiterzuentwickeln, dass er nun dort ist, wo er ist.“

Florian beim Kopfball in der EnBW Oberliga der Junioren

Kindheitstraum erfüllt


Heute spielt Florian für den 1. FC Nürnberg in der zweiten Liga und setzt seinen vollen Fokus auf das Fußballgeschehen, auch wenn er erst vor kurzer Zeit nach 4-monatiger Zwangspause nach einem Mittelfußbruch wieder einstieg und erstmals mit dem ernsthaften Berufsrisiko der gnadenlosen Branche in Berührung kam: „Das Risiko hat man im Sport leider immer, man muss lernen, es auszublenden, im Kopf klar zu bleiben und auf den eigenen Körper zu vertrauen“. Auch der früher angedachte Plan B gerät nicht komplett aus den Augen: „Ein wirtschaftliches Studium könnte in der Zukunft noch in Frage kommen, aktuell liegt der Fokus auf meiner sportlichen Karriere.“, erzählt Flo im Interview.

Insgesamt ist Flick also mehr als zufrieden mit seiner aktuellen Lage: „Es gilt nun, möglichst erfolgreich mit dem Verein zu werden aber auch, das eigene Limit auszureizen, eventuell den Sprung in die erste Liga zu schaffen und vor allem: gesund und verletzungsfrei zu bleiben.“, offenbart Florian abschließend, „Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt, für den ich nie aufhören werde, zu arbeiten“.