Trainerfortbildung zur kommunikativen Kompetenz (#8)

Anpfiff ins Leben bietet seinen Trainerinnen und Trainern viele Fortbildungsmöglichkeiten. Vor allem im spielpraktischen Bereich gibt es ein großes Angebot, um von erfahrenen Trainern möglichst praxisnah zu lernen. Künftig bietet Anpfiff zusammen mit dem Pädagogen Heinz Janalik auch eine theoretische Fortbildungsreihe zum Thema kommunikative Kompetenzen in belastenden Situationen im Training und Spielbetrieb an.

Eine hohe Praxisnähe der Trainerfortbildungen ist der sportlichen Leitung von Anpfiff ins Leben ganz wichtig. Im Idealfall findet eine Fortbildung direkt auf dem Platz statt. Kann eine Übung direkt angewendet werden ist nicht nur der Lerneffekt sehr hoch, sondern auch der Spaßfaktor. Der sollte im Umgang mit den vielen ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern von Anpfiff ins Leben immer Priorität haben.

Bei der Analyse der Fortbildungen stellten wir aber fest, dass gewisse Elemente fehlen, die für eine positive Beziehungsarbeit im Sport bedeutend sind. So konnten wir beispielsweise beobachten, dass Trainer in schwierigen Situationen, die auch oft eine sofortige Reaktion verlangen, schnell in Routinehandeln verfallen. Nicht selten war dieses Handeln aber wenig zielführend. Für den langjährigen Sportpädagogen Heinz Janalik stellen diese Reaktionen keine Überraschung dar: „Trainer reagierten meistens mit Ermahnungen und Bestrafungen. Aber dieses Handlungsrepertoire ist zu eng, um Heranwachsenden gerecht zu werden, oder auf schwierige Situationen differenziert reagieren zu können.“ Deshalb wollen er und Anpfiff den Trainern durch die Fortbildung vielfältigere Handlungsoptionen ermöglichen.

Kommunikation als Kernkompetenz im Trainergeschäft


Für Janalik ist angemessenes Handeln im Umgang mit den Spielern die wichtigste Kompetenz eines Trainers. Egal ob mit kleinen Kindern oder Profis, zum Trainerjob gehören immer komplexe Dialogprozesse. „Letztendlich geht es immer um Menschen und um die Frage, wie man ihnen hilft, sich am besten zu entwickeln“, erläutert Janalik. „Dazu müssen sie sich vor allem auf der emotionalen Ebene verstanden fühlen. Wenn das nicht gelingt, dann kann sich die Wirkung von Training stark reduzieren.“ Erst recht gilt dies bei Kindern und Jugendlichen, die freiwillig ins Training kommen.

In Coachingfragen ist der Sportpädagoge Heinz Janalik ein erfahrener Referent.
In Coachingfragen ist der Sportpädagoge Heinz Janalik ein erfahrener Referent.

 

Die Nackenhaare stellen sich Janalik bei einem gerne geäußerten und oft mit Stolz verbundenem Trainer-Satz auf: „Ich habe mein Programm durchgezogen!“ „Das zeigt mir fehlende Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen sowie fehlendes Verständnis für deren spezifische Entwicklungssituation. Eine hohe pädagogische Qualität erreiche ich, wenn ich sportliche und persönliche Entwicklung miteinander vereine. Oder wenn ich meine Ideen und mein konzeptionelles Denken für die Sportler attraktiv mache und sie inspiriere. Nicht, wenn ich einfach mein Ding durchziehe.“

Mangelnde Rücksichtnahme auf Individualität und Emotionalität der Heranwachsenden produziert Schablonenfußballer

Wenn das gelingt, zeigt es auch auf dem Platz große Wirkung. Setzen die Fußballer im Spiel eins zu eins die Vorgaben des Trainers um, bewegen sie sich in einem engen Rahmen, der kaum Raum für eigene Kreativität zulässt. So entstehen die sogenannten „Schablonenfußballer“, die zwar sehr gut reproduzieren, aber nur bedingt auf unvorhersehbare Situationen und Widerstände reagieren können. Hat ein Spieler jedoch die Idee des Trainers verstanden und verinnerlicht, ohne das eigene Denken ausschalten zu müssen, besitzt er auch die Möglichkeit, diese in Spielsituationen individuell und kreativ anzuwenden, aber auch gegebenenfalls zu verändern. Auch hier wird Angemessenheit zum wesentlichen Prinzip. Somit erweitert sich der Rahmen des jeweiligen Spielers.

Heinz Janalik an der Tafel
Das Angebot zum Coachingverhalten in belastenden Situationen steht allen Anpfiff-Jugendtrainern offen.
360 Grad Botton Nachhaltigkeit
Anpfiff-Förderung wirkt nachhaltig.

Verhaltensanalyse ermöglicht Verhaltensänderung

Voraussetzung für eine solche Weiterentwicklung der Spieler ist jedoch, dass ein Trainer selbst in der Lage ist, die Angemessenheit seines Handelns zu hinterfragen und an die jeweilige Individualität der Spieler anzupassen.

Dazu müssen zuerst einmal Routinen und eingefahrene Handlungsmuster erkannt und gegebenenfalls aufgebrochen werden. Um den Umgang mit belastenden Situationen zu analysieren, haben Janalik und Markus Gaber, Gesamtkoordinator Sport bei Anpfiff ins Leben, repräsentative Stresssituationen aufgezeichnet. Mit eigenen Jugendmannschaften wurden Kurzvideos gedreht, die den Trainern eine möglichst reale Belastungssituation zeigen: Streitigkeiten und Beleidigungen unter Spielern, Kritik am Trainer durch Spieler oder Eltern, übertriebene Härte im Training und weitere Situationen, in denen eine Reaktion des Trainers notwendig wird.

„Diese Video-Simulationen sollen den Trainern spontane Reaktionen entlocken und ihre routinemäßigen Verhaltensweisen zeigen. Diese Reaktionen können dann in einer Arbeitsgruppe auf Angemessenheit überprüft werden“, erklärt Gaber die operative Umsetzung der Fortbildungen. „Indem wir in einer Gruppe von Trainern die verschiedenen Verhaltensmuster beobachten, schaffen wir eine Diskussionsgrundlage. Die Trainer können etwas über ihr eigenes Verhalten lernen und sich von anderen etwas abschauen.“

ein Beispielvideo
Eines der vielen Beispielvideos: Zwei Schüler raufen: Was tun? - Nicht immer einfach zu lösende Situationen für die Trainer

 

Kommt es dann zu einer realen Konfliktsituation, hat der Trainer hoffentlich ein Arsenal an möglichen Verhaltensweisen. „Wir wollen den Trainern vielfältige Werkzeuge geben, um diese Situationen zu meistern“, sagt Janalik. „Wenn ich eine vergleichbare Situation schon in der Vergangenheit differenziert betrachtet habe, schalte ich nicht mehr direkt auf Autopilot, sondern kann meine Reaktion besser überdenken.“

Junge Fußballer beim Training
Sogar auf dem Platz kann es zu unangenehmen Vorfällen kommen, zum Beispiel bei überhartem Einsteigen oder Tätlichkeiten.


Als Dozent der Pädagogischen Hochschule Heidelberg hat Janalik bereits Erfahrungen mit einem ähnlichen Projekt gesammelt. Gefördert vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft führte er zusammen mit Prof. Dr. Gerhard Treutlein und Prof. Dr. Udo Hanke über acht Jahre eine Studie zur Diagnose von Sportlehrerverhalten durch.
Auch mit Anpfiff ins Leben setzte Janalik schon viele gemeinsame Trainerfortbildungen um. Die Videosimulationen sollen künftig jedoch auch ohne den Pädagogen – nämlich in Eigenregie - durchgeführt werden können. Anpfiff – und das ist eine wichtige Prämisse - geht es nicht um eine Belehrung der Trainer. „Diese Fortbildung haben wir nicht geschaffen, um das Verhalten unserer Trainer zu kritisieren“, erklärt Gaber. „Wir möchten vielmehr eine Vorlage schaffen, durch die die Trainer eine Möglichkeit zur Selbstformung bekommen.“

Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktthemas Nachhaltigkeit (#8)

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