Djalilou Agbere: „Kinder sind meine Familie.“ Djalilou kommt selbst aus einer großen Familie und wächst mit 16 Geschwistern auf. Deswegen liegt es nahe, auch in Deutschland etwas mit Kindern zu machen.

 

Djalilou: „Wenn man etwas will, dann kann man es erreichen“

Djalilou Agberes größter Wunsch war immer Fußballprofi zu werden. In seinem Heimatland Togo trainiert er hart für diesen Traum. Doch dann verletzt er sich im Spiel und verliert ein Bein. Doch auch wenn es mit der Profikarriere nicht klappt, bestimmen jetzt gleich mehrere Träume sein Leben: Eine Ausbildung zum Erzieher zu machen und viele Titel im Amputierten-Fußball gewinnen. Außerdem möchte er unbedingt anderen Menschen mit Behinderungen Mut machen.

Djalilou Agbere kam mit Amputiertenfußball bei Anpfiff Hoffenheim zum ersten Mal in Kontakt und absolviert ein Praktikum im evangelischen Kindergarten in Eppingen.
Djalilou hat seine Ziele immer im Blick - sowohl sportlich als auch beruflich.


Die Kinder in der Löwengruppe lieben Djalilou. Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen und ein offenes Ohr für sie. Und dann kann er auch noch mit dem Ball zaubern wie kein anderer. Seit September macht der Amputierten-Fußballer, der seine Ballkünste zuerst bei Anpfiff Hoffenheim und später bei Fortuna Düsseldorf zeigen konnte, ein Praktikum im evangelischen Kindergarten in Eppingen.

Derzeit bremst ihn zwar ein Kreuzbandriss beim Training aus, aber das hält ihn nicht davon ab, im Kindergarten eine Mannschaft zu gründen. „Alle sind total motiviert“, freut sich Djalilou. Vor allem, die Aussicht gegen einen anderen Kindergarten anzutreten, spornt die Kinder an. Der Wettbewerb ist seine Idee – die Kolleginnen im Kindergarten sind aber sofort dabei. Für den Teamplayer ist das mit ein Grund, warum er sich hier so wohl fühlt, „jeder kann sich einbringen, das ist ein tolles Team hier“.

„Kinder sind meine Familie“

Die Arbeit mit den Kindern macht ihm riesigen Spaß. „Kinder sind meine Familie“, sagt er. Er kommt selbst aus einer großen Familie und wächst mit 16 Geschwistern auf. Deswegen liegt es nahe, auch in Deutschland etwas mit Kindern zu machen. Schon in seinem Heimatland engagiert er sich neben seiner Arbeit als Journalist für die Kinder dort. Jeden Samstag treffen sie sich und lesen Geschichten und Gedichte vor.

Der Kontakt zum Pfarrer und damit zum Kindergarten kommt über Margit und Michael Heitz. Gemeinsam mit Stefanie Wild und Dietmar Pfähler von „Anpfiff ins Leben“ unterstützt ihn das Ehepaar bei der Suche nach einem Praktikumsplatz. Margit Heitz trifft er in der Flüchtlingsunterkunft in Eppingen im Kraichgau. Mit ihr und ihrem Mann ist Djalilou inzwischen gut befreundet. Die erste Schlittenfahrt im Schnee unternimmt er mit ihnen.

Djalilou Agbere kam mit Amputiertenfußball bei Anpfiff Hoffenheim zum ersten Mal in Kontakt und absolviert ein Praktikum im evangelischen Kindergarten in Eppingen.
Djalilou möchte nach seinem Praktikum eine Ausbildung im Kindergarten beginnen.

Jemand sieht seine Ballkünste – und gibt ihm die Nummer vom Trainer

Von Anpfiff Hoffenheim - dem ersten Verein für Amputierten-Fußball in Deutschland - hört der 29-Jährige schon kurz nachdem er in der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Heidelberg ankommt. Jemand sieht ihn kicken und gibt ihm die Adresse von Christian Heintz, dem Projektleiter bei den Ampu-Fußballern. Dort kommt er gleich ins Team. Allerdings haben die Hoffenheimer schon einige starke Spieler, deswegen schlägt Christian Heintz dem Goalgetter später vor, das Team von Fortuna Düsseldorf zu verstärken.

„Eigentlich wollte ich nicht gegen meine Hoffenheimer Mannschaftskollegen spielen“, lacht Djalilou. Aber dass er jetzt ein anderes Trikot trägt, ändert nichts an der Freundschaft zu den Hoffenheimer Teamkameraden. Das erste Turnier entscheidet der Ballkünstler quasi im Alleingang – 14 Tore gehen auf sein Konto.

Schon in Togo mit Kindern gearbeitet

Das Basisjahr im Kindergarten dauert ein Jahr. Danach möchte Djalilou hier mit der Ausbildung zum Erzieher weitermachen. Dafür hat er prominente Unterstützer: Der Oberbürgermeister von Eppingen, Klaus Holaschke, ist selbst ein Fußballfan und Djalilou hat er schon oft beim Fußballspielen gesehen. Als Pfarrer Friedhelm Bokelmann ihn fragt, ob die Stadt eine PiA-Stelle im Kindergarten mittragen würde, gibt es schnell grünes Licht. Die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) ist eine Alternative zur herkömmlichen Erzieherausbildung. Weil es überall an Fachkräften in der Kinderbetreuung mangelt, hatte das Land Baden-Württemberg die Idee, mit einer bezahlten Ausbildung gegenzusteuern.

Über den erfolgreichen Antrag freut sich auch Ute Aupperle, die den Kindergarten leitet. Denn sie und ihre Kolleginnen sehen gleich, wie gut ihr Praktikant mit Kindern umgeht, und dass er unglaublich engagiert bei der Sache ist. Außerdem „hat er einen Blick dafür, wo gerade etwas zu tun ist“. Diese Selbständigkeit ist Ute Aupperle besonders wichtig. Für einen Ausbildungsplatz „sucht man sich schon genau aus, wen man haben möchte“, sagt sie. Schließlich arbeitet man mehrere Jahre lang zusammen.

 

An ihrem Praktikanten schätzt sie, dass er den Dingen auf den Grund geht. „Er fragt immer nach, warum wir etwas so machen. Das ist wichtig, denn Erziehung heißt ja nicht nur, dass wir mit den Kindern spielen.“ Rund 70 Prozent der Kinder hier haben eine Migrationsgeschichte. Deswegen ist sie froh, „dass Djalilou so gut deutsch kann, denn die Kinder hier sollen ja Deutsch lernen.“

Aktuell ist Djalilou drei Tage in der Woche an der Albert-Schweitzer-Schule in Sinsheim, einer Fachschule für Sozialpädagogik – zugleich eine Kooperationsschule von „Anpfiff ins Leben“.  Die restlichen zwei Tage arbeitet er im Kindergarten. Wenn die Ausbildung anfängt, überwiegt dann der praktische Teil

Ein E-Roller hilft auf dem Weg zur Arbeit

Zu „Anpfiff ins Leben“ hält Djalilou die ganze Zeit Kontakt. „Anpfiff hat mich adoptiert“, lacht er. „Sie haben mir immer sehr geholfen.“ Der Erste Vorsitzende, Dietmar Pfähler, ist einer seiner Mentoren. Er besorgt Djalilou einen Computer für die Schule. Außerdem organisiert er einen Elektroroller für seinen Schützling. Der Roller ist eine riesige Unterstützung, denn der Kindergarten liegt am Berg - da hochzukommen ist mit einer Prothese gar nicht so einfach. Jetzt kann Djalilou bis zum Gelände mit dem Roller fahren. Und natürlich zum Fußballtraining, sobald sein Knie wieder in Ordnung ist.

„Wie viele Beine hast Du“, fragen ihn die Kinder oft, wenn sie sehen, dass er eine Prothese trägt. „Ich bin da offen und erzähle ihnen, wie ich mein Bein verloren habe.“ Das passiert beim Fußball – ausgerechnet. Vorher träumt Djalilou noch von der Profikarriere. In seinem Heimatland spielt er in der dritten Liga. In einem Spiel verletzt er sich am Knie. Später stellt sich raus, dass etwas gebrochen ist. Aber ins Krankenhaus zu gehen ist teuer, daher schickt sein Vater ihn zu einem traditionellen Medizinmann. „Nach ein paar Wochen habe ich mein Bein nicht mehr gespürt“, erzählt er. Es war hart wie Holz. Ein Bekannter, der das mitbekommt, bringt ihn dann doch ins Krankenhaus. Für sein Bein ist es jedoch zu spät, es muss amputiert werden.

„Meine Mutter dachte, ich wäre traurig wegen des Beins“, erzählt Djalilou. Aber er ist überzeugt, „alles, was Gott macht, ist gut. Außerdem habe ich mich mehr auf die Schule konzentriert. Hätte ich weiter nur Fußball gespielt, hätte ich die Schule vielleicht nicht weiter gemacht.“ Genauso leidenschaftlich wie vorher in die Zweikämpfe stürzt er sich jetzt in den Unterricht. Aber ohne Fußball – das kommt gar nicht infrage. Viele Freunde können das nicht verstehen und fragen, ob er auch noch sein anderes Bein verlieren will. Aber Djalilou kümmert das nicht, er spielt trotzdem weiter. Und weil es in Togo keinen Verein für Amputiertenfußball gibt, gründet er kurzerhand selbst einen. Unterstützung gibt es dafür nicht, die Spieler müssen alles selbst finanzieren. Also steckt er einen Großteil seines Lohns in das Team.

Die Mannschaft gibt es noch heute – 39 Spieler hat sie derzeit. Jetzt, wo Djalilou in Deutschland ist, unterstützt er sie eben aus der Ferne. Über Messenger-Dienste und Anrufe tauschen sie sich aus. „Ich habe hier so viel Erfahrung gesammelt, auch was das Training angeht“, sagt er. Und sein Wissen gibt er gerne weiter.

Djalilou Agbere kam mit Amputiertenfußball bei Anpfiff Hoffenheim zum ersten Mal in Kontakt und absolviert ein Praktikum im evangelischen Kindergarten in Eppingen.
Bereits in seinem Heimatland spielte die Arbeit mit Kindern für ihn eine wichtige Rolle.

Sein Mut führt ihn nach Deutschland

„Wenn einem ein Bein fehlt, ist es ein bisschen schwerer“, sagt er. Trotzdem sollte man an die Zukunft denken. Wenn er Krankenhäuser oder Friedhöfe sieht, wird ihm das noch bewusster - „da sehe ich – ich bin noch da, ich atme noch. Das gibt mir so viel Mut weiterzugehen.“ Dieser Mut führt ihn schließlich nach Deutschland. In Togo wird er aufgrund seiner Arbeit als Journalist bedroht, erzählt er. In Deutschland kehrt endlich auch das Gefühl der Sicherheit zurück.

Djalilou liebt es zu tanzen und natürlich mit dem Ball zu jonglieren. Zwar gehen viele Sachen derzeit mit der Verletzung nicht, aber sobald das Knie wieder mitmacht, will er zurück auf den Platz und noch möglichst viele Titel gewinnen. Aber eine Sache liegt ihm besonders am Herzen: Anderen zeigen, dass es mit einem Bein nicht vorbei ist und sie zu motivieren, ihren Weg zu gehen. Schule, Kindergarten und aktuell auch viel Physio - da bleibt wenig Zeit für andere Dinge. Aber Djalilou lacht nur und erklärt, das sei alles eine Sache der Planung. Kein Wunder, dass Cristiano Ronaldo sein Vorbild ist. Schließlich ist der Portugiese für seinen immensen Fleiß bekannt.

„Wenn man etwas will, dann kann man es erreichen“, davon ist Djalilou überzeugt. Sein größter Wunsch ist, hier die Ausbildung zu absolvieren. Auch wenn die Stelle da ist und die Kindergartenleitung ihn unbedingt haben möchte – ganz sicher ist das noch nicht. Denn aktuell ist sein Aufenthaltsstatus in Deutschland noch unsicher. Und danach? „Anpfiff hat mir so viel geholfen“, sagt er. „Ich würde gerne dort arbeiten und etwas zurückgeben. Ich denke, ich kann anderen Menschen mit Behinderungen Mut machen mit meiner Erfahrung.“

von Barbara Reeder

Djalilou Agbere kam mit Amputiertenfußball bei Anpfiff Hoffenheim zum ersten Mal in Kontakt und absolviert ein Praktikum im evangelischen Kindergarten in Eppingen.
Djalilou arbeitet gerne mit Kindern.

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